Der HSV beim BVB: hinten solide, vorne sträflich

Gegen keine Mannschaft hat Borussia Dortmund so oft gespielt wie gegen den HSV. Gegen keine Mannschaft haben die Borussen mehr Tore geschossen als gegen den HSV, allerdings auch von keinem mehr Gegentreffer bekommen. Eine Zeit lang war der HSV sogar so etwas wie der Angstgegner des BVB, es ist erst fünf Jahre her, als 2x Rudnevs und 2x Son in Dortmund trafen. Endstand damals 1-4. Der HSV gewann auch gegen die Übermannschaft, die von Klopp trainiert wurde. Will sagen: Gegen den BVB dieser Tage konnte etwas gehen, gegen solche Mannschaften sah der HSV bisher immer ganz gut aus.

Auch wenn ich mir die Statistik nicht zurechtgelegt hatte, sondern vom Stadionsprecher zweimal vorgetragen wurde: Irgendwie muss man sich als jemand, der es im tiefsten Inneren mit dem HSV hält, ja motivieren, wenn man zu einem Auswärtsspiel des HSV, wenn man nach Dortmund fährt. Ich war in dieser Saison wirklich häufiger und auch gerne dort, die Stimmung macht echt Spaß, und im Gästebereich versprach es, bei den vielen angekündigten Fans richtig laut zu werden. Es wurden schon vor Anpfiff fleißig Wechselgesänge geprobt, die Fans waren also definitiv bereit, ihren Teil zu einem kleinen möglichen Wunder beizutragen. Nun ja.

Null Durchschlagskraft vorm Tor

Der HSV verschlief mal wieder die ersten 3-4 Minuten, dann entschloss er sich, mutig mitzuspielen. Hinten dirigierte Jung immer wieder die Abwehr, das sah von oben recht geordnet aus. Zahlreiche Pässe des Gegners wurden abgefangen, entsprechend wenig bis nichts ging dann auch bei Dortmund nach vorne. Der HSV tat sich im Aufbauspiel wie immer schwer, doch etwas war anders: Die Spieler trauten sich sichtlich ein bisschen mehr zu, gingen in die Zweikämpfe und gewannen zumindest in der 1. HZ öfter auch welche. Da wurden Gegenspieler tatsächlich mal ausgespielt. Eigentlich ist es ja traurig, dass man das so hervorheben muss, aber man wird ja bescheiden. 0-4 nach Ecken stand es nach 30 Minuten, das spiegelt ganz gut diese halbe Stunde wider. Doch ach, diese Ecken! Ob man Hunt bitte mal ein paar Videos zeigen könnte, wie James bei den Bayern das macht, um nur ein Beispiel zu nennen? Könnte er das vielleicht extra üben, während die unter 30-Jährigen ihre zweite Trainingseinheit des Tages absolvieren? Ich mag Hunt aus diversen Gründen nicht besonders, aber er ist doch kein schlechter Spieler. Solche Standards sind seiner einfach komplett unwürdig.

Diese Harmlosigkeit (oder nennen wir es: Schwäche!) strahlte die Mannschaft in ihrem gesamten Offensivverhalten aus. Wenig verheißungsvolle Flanken von den Flügeln, unglückliche Rückgaben, wenn einer es mal zur Grundlinie geschafft hatte, keine Kopfbälle vorm Tor, und über Schüsse aus der zweiten Reihe wollen wir erst gar nicht reden. Ich kann die Male, da ich „Schiiiiiieß!“ gebrüllt habe, nicht zählen. Unglaublich, dass zum einen solche Positionen beim HSV nicht konsequent besetzt werden, zum anderen keiner ernsthaft (!) mal abzieht. Ein einziges Mal hat sich Walace getraut, ein einziges Mal! Mit so wenig Offensivkraft kannst Du eben gegen Dortmund keine Tore schießen; auch dann nicht, wenn das Tor leer ist – wie man diese Einladung ausschlagen konnte … vergessen wir es einfach.

Die Hoffnung der Fans ruhte dann auf Arp, der kurz nach der Halbzeit gegen einen mal wieder völlig neben sich stehenden Wood eingewechselt wurde. Doch ich glaube, dass der Junge mit der Situation überfordert war: Er blieb nicht auf seiner Mittelstürmer-Position, sondern wich immer wieder nach außen aus, was zur Folge hatte, dass die 9er Position unbesetzt blieb. Er braucht eventuell einen Vorbereiter (Hahn?), der ihn in Szene setzt. Er konnte nicht einen einzigen Ball behaupten, sondern verlor seine Zweikämpfe. Das ist kein Vorwurf, ihm fehlt da sichtbar die Erfahrung und nötige Härte. Das Problem: Der HSV kann sich das in dieser Situation eigentlich nicht erlauben, er braucht da vorne welche, die kaltschnäuzig viel aus wenig herausholen – eben wie der Gegner heute, der aus wenig Chancen heraus zwei Tore machte.

Nimmermüder Support aus dem Gästeblock

Die Dortmunder dürften mit ihrem Spiel insgesamt nicht wirklich zufrieden gewesen sein, wer in die CL will, sollte gegen einen Abstiegskandidaten anders auftreten. Umso unnötiger war es aus HSV-Sicht, nicht wenigstens einen Punkt mitgenommen zu haben. Den hätten übrigens die Fans des HSV durchaus verdient.

Ich behaupte ja nach wie vor, dass die Fans auswärts mehrheitlich andere sind als in Hamburg. Mir scheint, als wäre die Motivation, in fremde Stadien zu fahren, um den eigenen Verein anzufeuern, schlicht eine andere. Die Stimmung ist nicht zu vergleichen mit jener in Hamburg, das ist schwer zu beschreiben – ich nehme es aber eigentlich immer so wahr. In dieser Saison war das in Köln so, auch in Gladbach. Immer war Hoffnung da, immer ging es weiter, noch mal aufgestanden, noch mal gebrüllt „Super Hamburg olé“. Im Rheinland gibt es wohl einfach viele, die es mit dem HSV halten, und so hörte es sich eben auch an. Natürlich dürfte auch jedem im Stadion klar gewesen sein, dass die Lage echt mies ist, doch es ist eben nicht vorbei, bevor die dicke Dame gesungen hat. Das hat übrigens auch unseren Gast, den wir heute mitgenommen hatten, beeindruckt. Er hält es mit dem BVB und fand, dass das 2-0 absolut unverdient gewesen wäre. Tja. Fußball war, ist und bleibt ein Ergebnissport. Und da bleibt dann eben nur die Erkenntnis, die dieser Twitterer kurz und treffend beschreibt:

Ich möchte noch ergänzen: Da hilft dann auch kein noch so toller Support von den Rängen nichts.

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