Texte zum Lesen, Verstehen und Nachdenken

Schule, Familie, Politik und Fußball – es gab in der jüngeren Zeit einige Dinge, die mich auf-, aber eben auch anregten. Zum Weiterlesen, zum Nachdenken. Ich will das hier für mich einmal festhalten.

Los geht es mit ein wenig Bildungspolitik. Via Twitter wurde ich auf diesen Beitrag auf ZEIT online aufmerksam. Es geht um eine Studie, die untersucht hat, wie sich Lehrer informieren, wie sich dies auf den Unterricht auswirkt und welche Konsequenzen dies letztlich für das Informationsverhalten der Kinder bzw. für die gesamte Demokratie hat. Dieser Artikel ist so wichtig, dass ich ihn fast komplett zitieren könnte. Hier die aus meiner Sicht prägnanten und wichtigsten Sätze:

Als erste Quelle für politische Informationen nennen die Lehramtsstudenten soziale Medien. Als entsprechend dürftig erweist sich der Kenntnisstand der Befragten. […] Diejenigen, die zukünftigen Generationen die Welt erklären sollen, beziehen ihre Informationen über diese Welt in großen Teilen aus dem, was Freunde und Bekannte ihnen über Facebook und Co. auf den Bildschirm spülen. […] Hier [in der Schule, Red.] müss[t]en die Schüler erfahren, dass jede neue Nachricht, um glaubwürdig zu sein, mindestens zwei unabhängige Quellen braucht und jede Meinung eine Gegenmeinung. Dass eine Behauptung nicht dadurch zur Tatsache wird, dass sie aus dem Freundeskreis kommt. Dass man für alles, was man veröffentlicht, Verantwortung trägt. […] Ein Fünftel der heute 18- bis 24-Jährigen bildet sich seine politische Meinung allein über soziale Medien im Internet, ohne jede andere Quelle. Die junge Generation informiert sich also im Netz, wobei es richtiger heißen muss: Oft informiert das Netz sie. Denn immer häufiger steuern die Jungen die Online-Medien von Spiegel, SZ oder ZEIT nicht mehr direkt an. Stattdessen lassen sie die Links von Facebook oder WhatsApp sowie die Algorithmen von YouTube darüber entscheiden, welche Neuigkeiten überhaupt zu ihnen durchdringen.

Und so weiter. Es könnte einem wirklich angst und bange werden, wenn man das liest. Eine Stichprobe zu Hause ergab, dass meine Kinder gar nicht wissen, was eine Filterblase ist. Über Mobbing und Streitschlichtung wissen sie alles, aber wenn es um Netzdinge geht, wird es schnell dünn. Andererseits: Wenn ich (wie vor drei Jahren passiert) auf Elternabenden mit den Eltern diskutieren soll, zu welcher Uhrzeit man den Kindern das Handy wegnehmen soll, damit sie nicht ewig in whatsapp-Gruppen rumhängen, frage ich mich natürlich auch nach unserer Verantwortung als Eltern. Wir steuern das hier übrigens darüber, dass es für die Kinder kein dauerverfügbares WLAN gibt. Die große Tochter muss also ihr Datenvolumen, sprich: ihr Geld, dafür investieren. Es diszipliniert doch ungemein.

Zum Thema Lehrer habe ich aber noch einen interessanten Blogpost gefunden, der mir als Nicht-Lehrerin, sondern Nur-Mutter, sehr aus dem Herzen spricht. Ich habe offensichtlich ganz oft als Schülerin und auch als Mutter von Kindern Lehrerinnen und Lehrer erlebt, die es besser nicht geworden wären.

Politik braucht mehr Transparenz

Auf eine ganz andere Art hat mich Annettes Blogpost zum Thema Burn-out einer Alleinerziehenden bewegt. Spontaner Impuls war, sie anzurufen, ihr zu sagen, dass ich sie, auch wenn nicht selbst betroffen, total verstehen kann. Dass ich ihr gerne zuhörte, wenn sie sich mal verbal auskotzen möchte. Dass ich ihr gerne irgendwie konkret hülfe, wenn es denn ginge. Ich habe nur ihre Nummer nicht. Und ich weiß auch gar nicht, ob das passend wäre, denn das ginge wieder von der Zeit ab, die sie fürs Schlafen, für ihre Zeit mit den Kindern oder wofür auch immer gerne nutzen möchte. Es tat einfach weh, das so schwarz auf weiß geschrieben zu sehen. Umso bitterer ist es dann, zu lesen, was ein Magazin wie „Brigitte“ (das sind die, die auch ein Magazin für die „dritte Lebenshälfte“ herausgeben und dafür von mir am liebsten noch mal in den Grundkurs Mathematik geschickt werden würden) aus so einem Thema macht. Denn wie Annette auf Twitter schrieb, folgte dem Artikel im Heft gleich noch ein Interview mit einem Therapeuten, der sich die üblichen Sprüche nicht verkneifen konnte. Wieder einmal eine Chance vertan, die Situation von Alleinerziehenden mal in einen größeren Zusammenhang zu bringen, die strukturellen Probleme anzusprechen und deutlich zu machen, was politisch dringend auf der Agenda stehen müsste.

Wenn wir schon beim Thema Politik sind. Der geschätzte @Kopfding bloggt ja selten, aber zur aktuellen Regierungsbildung hat einen Text verfasst, den ich durchaus lesens- und nachdenkenswert finde, weil er eben mal nicht von einem professionellen Politik-Beobachter bzw. -Berater, als welchen sich extrem viele Journalisten ja inzwischen gerieren, stammt. Er hätte eine Minderheitsregierung der CDU gut gefunden (ich durchaus auch), stimmt aber aus ganz pragmatischen Gründen der neuen großen Koalition zu, u.a. weil es einen Schwenk nach rechts zu verhindern galt. Ich sehe das dann doch ein wenig anders. Für mich ist diese GroKo die „Karnation“ eines Weiter-so, und das ist m.E. klar abgewählt worden, was sich an den historisch niedrigen Wahlergebnissen von CDU und SPD, den Regierungsparteien zuvor, ablesen lässt. Für mich wird immer noch viel zu wenig wahrgenommen, dass die AfD nicht wegen ihrer (nahezu komplett indiskutablen) Inhalte, sondern aus Protest gewählt wurde. Auch wenn einem (auch mir) das nicht gefällt, und man schnell sagt, dass man für den Protest doch noch andere Optionen gehabt hätte: So war der Protest nicht gemeint. Es ging nicht darum, die etablierten Parteien einfach nicht zu wählen, es musste weh tun, es musste ein „Erdbeben“ geben. Die gestandenen Politiker fürchten nur eins, und das ist ein Erstarken der AfD. Das müssen und das wollen sie auch verhindern. Also, so zumindest war das Kalkül, würden sie den Protest als Appell verstehen, alles zu tun, damit die AfD nicht mehr gewählt wird. Was bedeutet hätte: Man nähme die Probleme und die Sorgen der AfD-Wähler endlich mal ernst. Einen sehr guten Artikel dazu fand ich heute auf ZEIT online. Besonders diesen Absatz hier sollten sich viele einmal genau durchlesen:

Die Befragten haben das Gefühl, dass ihre eigenen Probleme von der Politik nicht bearbeitet werden und im öffentlichen Diskurs nicht genug vorkommen. Dadurch fühlen sie sich politisch verlassen. Als 2015 viele Flüchtlinge kamen, hat Solidarität im Inneren gefehlt, deswegen waren die Voraussetzungen für Solidarität nach außen gar nicht gegeben. Wenn die Leute sich Sorgen machen um ihre eigene Zukunft, hat das für sie mehr Priorität als die Hilfsbereitschaft gegenüber anderen. Gleichzeitig haben sie den Eindruck, dass die Probleme von Zuwanderern sehr schnell bearbeitet wurden. Um die wurde sich gekümmert, anders als um sie selbst. Sie werten als Reaktion Migranten ab, weil sie sich selber abgewertet fühlen. Mit Rassismus hat das aber ursächlich kaum etwas zu tun.[…] Ich finde vor allem besorgniserregend, wie groß das Unbehagen darüber ist, wie Politik gemacht wird. […] Wir haben oft gehört: Die Politiker seien unehrlich, und es gebe eine zu große Nähe zu Lobbyisten. […] Außerdem haben viele gesagt, die Politiker seien bürgerfern. Die Bundesregierung sei auf der ganzen Welt aktiv, kümmere sich aber nicht um die Probleme vor Ort in Deutschland. Sie sagen nicht, dass das außenpolitische Engagement nicht wichtig wäre, aber es geht ihnen um die Priorisierung, Germany first also. Es ist ein Gefühl des Verlassenseins von politischer Repräsentation.

Um das klar zu sagen: Ich bin weder Sympathisant, noch Wähler der AfD. Allerdings urteile ich deren Wähler nicht pauschal als Idioten, Rassisten oder Nazis ab. Ich halte es da tatsächlich wie Johannes Hillje, den die ZEIT interviewt hat: „Sorgen ernstzunehmen ist gut, in die Räume der politischen Verlassenheit zurückzukehren, ist besser.“ Es muss aufhören, immer nur an der Oberfläche zu schürfen und eigene Vorurteile zu bedienen. Um das zu ermöglichen, muss Politik transparenter werden. Ich kann nur hoffen, dass daran auch mit Blick auf den eigenen Weg jene ein Interesse daran entwickeln, die es betrifft.

Apropos Interesse: Meines gegenüber dem Hamburger Sportverein hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, das muss ich nicht wiederholen. Entsprechend emotionsarm habe ich das Spiel am 17. März verfolgt. Was die jungen Spieler in der ersten Halbzeit jedoch auf dem Platz boten, war ansehnlich, ich kann der Einschätzung dazu von Uli (… das war mutig, Herr Titz. Und es war fälliger als fällig.) da nur zustimmen. Es keimte in mir die Hoffnung, dass der Abstieg mit Würde passierte, erhobenen Hauptes, mit einer Perspektive, so nach dem Motto: Ihr werdet noch von uns hören. Was allerdings nach dem Spiel passierte, war extrem demaskierend. Papadopoulos holt mal richtig aus und schießt sich damit hoffentlich selbst aus dem Verein, und die Frau von Herrn Diekmeier macht auf Instagram einen auf Claudia Effenberg. Es ist einfach nur peinlich und dumm. Am Ende bleibt, und da hat Daniel mit seinem Kommentar Recht, der Abstieg. Noch dazu ein würdeloser. Bitter.

 

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