Leidenschaft für Nagellack – von der völlig bekloppten Essie-Obsession

Momentan gibt es viel Zeit, zu Hause etwas zu tun – ich fröne aktuell meiner Leidenschaft für Essie-Nagellacke. Das ist komplett irre und rational nicht zu erklären. Es gibt zig Anbieter von Nagellacken, und viele Produkte sind ganz sicher erstklassig und bieten eine riesige Farbauswahl. Warum also ausgerechnet Essie [1]?

Essie ist seit 2010 eine Marke des L’Oréal Konzerns. Entwickelt wurde sie von Essie Weingarten, die 1981 mit gerade einmal zwölf Farben angefangen hat. Damals hatten die Lacke noch nicht ganz so flippige Namen wie heute, nur drei davon sind auch heute noch erhältlich: Blanc, ein klassisches Weiß, Bordeaux, ein Weinrot, sowie Baby’s Breath, ein Cremeweiß. Viel Popularität erhielt die Marke durch die Royals aus Großbritannien: Ballet slippers, ein recht unspektakulärer zartrosa-pudriger Ton, wurde vom Friseur der Queen Elisabeth II. umfangreich geordert, heißt es. Der Ton Allure, fast transparentes und edles Weiß, zierte die Nägel von Kate Middleton bei ihrer Hochzeit mit Prinz William.

Das Besondere an Essie sind aus meiner Sicht folgende Faktoren:

  • Geschicktes Marketing: Essie bringt regelmäßig neue Kollektionen heraus, so genannte „limited editions“ (LE), die immer wieder Aufmerksamkeit schaffen. Es ist nie vorher klar, welche Farben davon es in das reguläre Sortiment schaffen, was schnelle und gute Umsätze verspricht. Dazu kommt seit 2016 ein Essie-Weihnachtskalender, der eine Auswahl von Essie-Produkten anbietet und auch Probiergrößen enthält – die Minis mit 5 ml Inhalt; die klassischen Fläschchen enthalten 13,5 ml.
  • Qualität: Ja, die Lacke sind wirklich gut. Wer das entsprechende Protokoll [2] einhält, hat etwa eine Woche lang Freude an den lackierten Nägeln. Länger ergibt es m.E. auch keinen Sinn, da Nägel ja wachsen – und das sieht man bei jedem Nagellack, auch bei künstlichen Gel-Nägeln.
  • Treue Kundschaft, die es weitererzählt: Essie-Anwenderinnen reden darüber, dass sie genau das sind – vor allem auf den Social Media Kanälen. Instagram ist voll von Fotos, auf denen Frauen ihre lackierten Nägel zeigen, illustriert mit dem Hashtag #Essielove. Viele Bloggerinnen beschäftigen sich mit der Marke (lohnend, wenn auch nicht mehr ganz aktuell ist der Blog von „Lacktraviata„); und auf Youtube kann man sich anschauen, wie die Lacke appliziert werden und auf natürlichen Nägeln aussehen (swatches) – ich schaue besonders gerne hier und hier rein.

Ich selbst habe mir als Jugendliche schon gerne die Nägel lackiert, doch das Interesse trat für lange Zeit in den Hintergrund. Es erwachte erst mit meiner Tochter wieder, als sie sich für Nagellack zu interessieren begann. Komplett „infiziert“ waren wir mit dem Weihnachtskalender 2017. Seitdem sind so viele Farben bei uns eingezogen, dass wir inzwischen über 100 Farben hier haben.  

Die Essie-Leidenschaft hat mich gepackt

Ich habe deshalb für mich eine kleine Challenge „ausgerufen“, so lange wie möglich keine Farbe zu wiederholen; das gelingt mir aktuell mit der 66. Farbe. Und es wird inzwischen zu einer kleinen Obsession. Diese treibt mich auf diverse Websites: Welche und wie viele Farben gibt es überhaupt? Hinsichtlich der Anzahl gehen die Meinungen auseinander. In den USA feierte man im Jahr 2016 die 1.000. Farbe überhaupt – allerdings sind nicht mehr alle erhältlich. Auf dem Markt, so ist zu lesen, sind wohl so ca. 300; auf meiner Wishlist befinden sich aktuell 40 – das sollte irgendwie passen. Doch ganz so einfach ist das nicht, denn: Nicht jede Farbe ist in jedem Land erhältlich.

Zunächst: Die oben erwähnten neuen Kollektionen kommen in der Regel zuerst in den USA heraus (logo, es ist ein amerikanisches Unternehmen, der Markt ist mit Abstand der größte). Pro Kollektion werden zwischen vier und neun Farben vorgestellt. Von den neun, die wir zum Beispiel bei der „Rocky Rose Collection„, der „Flying Solo Collection“ oder der „Serene Slate Collection“ gesehen haben, haben es jedoch nur jeweils sechs Farben in die Regale deutscher Händler (Drogeriemärkte, Parfümerien) geschafft. Mich interessiert brennend, warum das so ist und wie es zu Auswahl der Farben kommt. Glaubt man nicht an die anderen Farben? Sollen wir hier in Europa bestimmte Farben nicht tragen? Übrigens läuft das auch „anders herum“ so: Den Adventskalender, wie wir ihn in unseren Breiten kennen, wünschen sich die Amerikanerinnen sehnlichst und bekommen ihn nicht in den USA. So global wir eigentlich unterwegs sind: Bei Nagellackfarben hört das offensichtlich auf. Und so bleibt mir nur ganz oft, andere Essie-Addicts ob ihrer toll lackierten Nägel zu bewundern bzw. mich weiter an jenen zu erfreuen, die wir hier zu Hause ja haben. 

Unser täglich Essie … 

Inzwischen ist es so, dass die mir alle 5-7 Tage die Nägel neu lackiere. Um das ein wenig spannend zu gestalten, habe ich vor einem Jahr beschlossen, so lange wie möglich keine Farbe zu wiederholen. Dazu führe ich selbstverständlich Buch, was dann so aussieht:

Challenge

Farblich hinterlegt werden jene Farben, die ich bereits verwendet habe. Heute kommt die 67. Farbe zum Einsatz. Die Tochter ist da weniger wählerisch, sie nimmt sich einfach jene Farbe, auf die sie Lust hat oder zu bestimmten Outfits passt. Oder sie macht etwas ganz Verrücktes und lackiert jeden Nagel einfach anders. Jüngstes Beispiel: Sie hat fünf Farben aus der „Serene Slate Collection“ verwendet, was so aussieht:

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Das sind vom Daumen zum kleinen Finger: Wireless is more, Press Pause, Toned Down, Serene Slate, On mute

Nun haben Mutter und Tochter nicht zwingend den gleichen Geschmack, was zur Folge hat, dass wir hier einige Farben haben, die sicherlich wundervoll sind, aber doch nicht so richtig zu mir (oder eben zur Tochter) passen. Hier eine kleine Auswahl:

Von links nach rechts: Tart deco (EU 74), Take the lead (EU 630) und Say it ain’t soho (EU 582). Alles nicht so meine Farben, aber auf den Nägeln sind sie dann doch wieder interessant. Insbesondere das helle Blau und das pfirsich-pink haben mich überrascht. 

Hier einmal drei von jenen Farben, die ich wirklich sehr mag und die eigentlich immer passen. 

Von links nach rechts: Hear me aurora (EU 589), Sugar Daddy (EU 15) und Wireless is more (EU 606). Alle drei Shades würde ich immer wieder auftragen: Die Farbe ganz links sieht real aus wie ein Blutrot: satt, opak und sehr weiblich. Sugar Daddy ist sehr dezent, lässt die Nägel sehr gepflegt und edel aussehen. Passt zu kurzen und zu langen Nägeln. Wireless and more ist eine sensationelle Farbe, weil sie im Sonnenlicht leicht lilapink schimmert. Das kommt auf Bildern selten gut rüber. Die Farbe gehört zur „Serene Slate Collection“, ist aber in Deutschland ins Standard-Sortiment übergegangen.  Stand jetzt mein All-time-Favorite!

Die Tochter stand Modell, hier auch mal mit unterschiedlichen Nagellängen. Von links nach rechts:

  • Tangoed in love (EU 629): Diese Farbe stammt aus der Sommer Kollektion 2019, wozu auch das oben gezeigte Take the lead gehört. Die Farben passen alle toll zum Sommer. Hier gibt es Live-Swatch dazu, es lohnt sich.
  • Need a vacation (EU 19): Diese Farbe stammt nicht aus einer Edition, ist aber inzwischen nicht mehr so leicht zu bekommen. Das zarte pink ist alltagstauglich und lässt die Nägel sehr fein aussehen. 
  • Licorice (EU 88): Das ist ein Klassiker und sollte in keinem Sortiment fehlen – ein tiefes Schwarz. Eignet sich auch aus Basis, wenn man ein wenig Glimmer/Glitzer auftragen möchte. 
  • Aruba Blue (EU 92): Gehört ebenfalls zum Stammsortiment. Sieht auch mit mattem Finisch (Überlack) sehr schön aus, allein – meine Farbe ist es nicht. Die Tochter liebt sie. 

Die Sache mit dem guten Namen

Ein Wort noch zu den teilweise wirklich interessanten Namen der Farben. Ich kannte das vorher von anderen Nagellacken so noch nicht. Bei den neuen Kollektionen haben sie in irgendeiner Weise alle miteinander zu tun, was sich dann in schönen Marketing-Texten auf der Website niederschlägt. Hier mal ein Beispiel dafür (Flying solo Collection):

this season, check in to check out! as you reach new heights, open your mind and window shade because putting yourself first is in plane view. while you travel one way for one, let your hair down and make your own rules because you’re free to roam. you deserve to treat yourself so take this time to do some solo-searching… without reservations! don’t forget to check your baggage because this indulgent getaway will have you falling head over heels with the endless possibilities! you do blue and celebrate flying solo as you strut off the runway with sky-high confidence!

Als Texterin geht mir da natürlich das Herz auf. Auch wenn diese Wortspiele erst seit wenigen Jahren so konsequent umgesetzt wurden, sind die Namen phantasievoll und witzig, etwa E-nuff is e-nuff (ein warmer coral-pink Ton), Just the way you arctic (ein blasses Lila), Limo-scene (leicht grau schimmerndes Weiß), Tiers of joy (helles blau mit lila Schimmer) oder auch Blue-tiful horizons (ein pink schimmerndes Blau). Auf solche Namen muss man auch erst mal kommen. 

 

 [1] Das klingt alles nach einer Werbe-Veranstaltung für diese Marke. Doch ich wurde dazu weder aufgefordert, noch in irgendeiner Weise dafür bezahlt. Sämtliche hier beschriebenen Produkte habe ich selbst gekauft. 

[2] Ich halte es ein klein wenig anders, aber wichtig sind vor allem folgenden Dinge: fettfreie Nägel, Verwendung von Unter- und Überlack sowie jeweils ausreichende Trockenzeit. Ich lasse die ersten drei Schichten 12 Minuten trocknen, den Überlack mind. 20 Minuten. Ja, das dauert. Aber es lohnt sich. 5-7 Tage sind die Nägel wirklich einwandfrei. 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Laura sagt:

    Essie hat wirklich eine tolle Auswahl an Farben! Vorallem liebeee ich Aruba Blue und Bluetiful horizon! Du hast die alle wunderschön geswatcht!

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    1. mrscgn sagt:

      Dankeschön. Meine Tochter macht das alles noch einen Tick besser. Sie liebt auch Aruba blue.

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