Zehn Bücher, die mein Leseverhalten prägten

Auf Twitter wurde ich von Peter Welchering nomiert, die Bücher per Cover vorzustellen, die mein Leseverhalten prägten. Hier ein bisschen mehr Text zu den Tweets, die hier als Thread gesammelt sind:

1. Effie Briest, Theodor Fontane

Meine Mutter gab mir als heranwachsendes Mädchen dieses Buch zu lesen. Ich weiß gar nicht, warum, aber es war für mein weiteres Leseverhalten wirklich wichtig: Effie verliebt sich außerhalb ihrer Ehe in Crampas, der im Duell mit Effies Mann Instetten stirbt. Effie bezahlt dies mit dem Kontakt-Verlust zu ihrer einzigen Tochter Annie. Ich habe geweint, als ich es gelesen habe, und auch, als ich die Verfilmung sah. Zu diesem Buch schrieb ich bereits mit 14 Jahren einen Schulaufsatz, was die Lehrerin ein wenig irritierte. Sie fragte mich, ob das denn so eine geeignete Lektüre für eine 14-Jährige sei, gab mir aber eine Eins für den Text.

2. Eugenie Grandet, Honoré de Balzac

Wieder eine starke und zugleich auch traurige Frauengeschichte. Doch hier ging es eher um die Art und Weise des Schreibens von Balzac. Was für eine blumige und ausschweifende Sprache, welche Bilder zaubert dieser Mann im Kopf des Lesers! Balzacs „Tolldreiste Geschichten“ und auch seine zahlreichen Werke zu interessanten Frauen („Honorine“ hat mir gut gefallen) sind lesenswert. Sie entführen in das Frankreich des 19. Jahrhunderts und zeichnen – so heißt es zumindest in den Analysen zu Balzacs „Comédie humaine“ – ein Gesamtbild der Gesellschaft.

3. Das Puppenheim in Pinnow, Joachim Wohlgemuth

Ein Stück DDR-Jugendliteratur, aus der ich in den 80er Jahren viel gelesen habe: Joachim Wohlgemuth war als Autor insofern weit vorn dabei, weil er aus der Gegend kam, in der ich aufwuchs. Er schrieb entsprechend über Dinge, die mit meinem Leben etwas zu tun hatten. In diesem Buch geht es um Steffi, die nach dem Abitur eine Lehre als Zootechnikerin (Melkerin im Kuhstall) antritt und sich prompt in ihren Ausbilder verliebt. Die Verwicklungen dazu sind höchst amüsant zu lesen.

4. Die Aula, Hermann Kant

Das war zu meiner Schulzeit Pflichtlektüre. Es geht um einen Literaturkritiker, der eine Festrede zur Schließung seiner ehemaligen Lehranstalt halten soll. Es handelt sich dabei um die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF), eine Bildungseinrichtung, die vor allem für Arbeiter- und Bauernkinder eine akademische Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg ermöglichen sollte. Ich fand den Inhalt unspannend, aber Kant ist schon ein guter Erzähler. Die Bücher, die ich danach von ihm las, fand ich besser. Sehr unterhaltsam war beispielsweise „Das Impressum“, das ich während meines Volontariats las. Natürlich kommt in den Büchern klar eine für die Zeit typische parteiliche Haltung zum Ausdruck, dennoch fand ich Kants Bücher meist lesenswert.

5. Die Nonne, Denis Diderot

Wieder eine Frauengeschichte, die mir meine Mutter empfahlt – brutal, traurig, bitter. Das war definitiv kein Lesevergnügen, aber die Lektüre beeinflusste eben auch meine Persönlichkeit: Meine Selbstbestimmtheit ist mir bis heute das höchste Gut. Eben das, was sich Frauen im Laufe der Jahrhunderte hart erkämpfen mussten und hohe Preise dafür zahlten.

6. Es, Stephen King

Empfohlen von einem Freund, der viele Bücher von Stephen King besaß. „Es“ war mein Einstieg in die Horror-Literatur; und ich las ab dann ziemliche viele Bücher von King. Ja, auch „Shining“ und „Misery“, aber auch „Christine“ und vor allem „Stark“ – aus meiner Sicht einer der besten Horror-Bücher, in der eine Romanfigur, die der Autor eigentlich beerdigen will, zu grausigem Leben erwacht.

7. Die Chirurgin, Tess Gerritsen

Dieses Buch ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe mit der Ermittlerin Jane Rizzoli und Maura Isles, einer Rechtsmedizinerin. Eine damalige Kollegin hatte mir das Buch empfohlen. Spannend bis zum Schluss. Seitdem habe ich kein einziges Buch aus dieser Serie verpasst. Außer den Figuren (und dabei noch nicht mal vollständig) hat die Fernsehserie übrigens nichts gemein mit den Büchern.

8. Verblendung, Stieg Larsson

Hiermit begann meine Leidenschaft für skandinavische Krimis, die sich durch eine extreme Spannung, große Brutalität und vielschichtige Hauptfiguren auszeichnen. Alle haben Ecken und Kanten, selten sind es echte Charmeure oder hübsche Sympathieträger. Sie sind stattdessen sehr authentisch, so kann man sich reale Figuren vorstellen. So habe ich inzwischen alle Harry-Hole-Krimis von Jo Nesbö und fünf der Carl-Mörck-Krimis gelesen.

9. Stolz und Vorurteil, Jane Austen

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch durch den Film „E-Mail für Dich“, in dem es mehrfach erwähnt wird. Hauptdarstellerin Meg Ryan nennt es ihr Lieblingsbuch, sie schwärmt von Ms. Bennett und Mr. Darcy und berauscht sich an Worten wir „fürderhin“ – ich auch. Ich habe fast alle Bücher von Austen bereits gelesen und bin immer noch begeistert. Natürlich vor allem von der Sprache.

10. Briefe an Milena, Franz Kafka

Ein Freund schenkte mir dieses Buch, und es ist ein ganz besonderes. Die Briefe von Kafka an seine große Liebe Milena, eine Journalistin aus Prag, sind so wunderschön zu lesen – sie berühren direkt das Herz. Vor allem dann, wenn man sich als Leser gestattet, sich richtig darauf einzulassen. Nach diesem Buch gefielen mir auch „Weiße Nächte“ von Dostojewski sowie „Und Nietzsche weinte“ von Irvin D. Yalo.

 

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