Der pure Luxus: „Ferien für Mama“ *

am

Einmal kein „Wo ist die Mama?“ oder „Mama, kommst Du mal“ oder „Mama, machst Du mal bitte…“. Einmal keine Anforderungen an mich, sondern nur ein „Was können wir für Sie tun?“. Seit langer Zeit habe ich mir genau das gewünscht und jetzt endlich einmal in die Tat umsetzen können. Wegen Corona nicht ganz so üppig wie geplant, aber immerhin.

Das Ziel meines Kurzurlaubs war die Burg Schlitz, ein Schlosshotel unweit von Teterow in der Mecklenburgischen Schweiz. Das fühlte sich für mich sehr nach Heimat an, denn nur ca. 60 Kilometer weiter südöstlich bin ich aufgewachsen. Die Burg selbst hat eine bewegende Geschichte hinter sich, zu DDR-Zeiten war eine Art Pflegeheim. Seit 2011 gehört es dem Ehepaar Hoeck, das es spürbar ernst meint, seinen Gästen mehr als ein Hotel zu bieten. Dabei hilft natürlich, dass insgesamt gerade einmal 21 Zimmer bzw. Suiten angeboten werden – eine sehr individuelle Betreuung der Gäste wird auf diese Weise möglich und gelebt.

Für mich begann das bereits kurz nach der Buchung mit einem freundlichen E-Mail-Kontakt. Auf Rückfragen erhielt ich zügig und sehr persönlich (also ohne Textbausteine) Antwort; bei meiner Ankunft wurde ich, ohne mich vorzustellen, sofort persönlich begrüßt. Der Empfangssalon entführte sofort in eine Welt wie aus einem anderen Jahrhundert. Stilvolles Mobiliar, gemütliche Sessel, kleine Tischchen, anmutig arrangierte Blumen, ein Glas hausgemachte Limonade sowie ein kühles Tuch zur Erfrischung – schöner geht ein Empfang kaum.

20200705_151204
(c) Salewski

Das Zimmer für meinen zweitägigen Aufenthalt lag im zweiten Stock des Westflügels und gehörte zu den Standard-Doppelzimmern. Das klingt liebloser als es tatsächlich war, denn es handelte sich dabei um ein wirklich großes Appartement mit einem kleinen Flur, der diesen Namen verdient, mit einem großen Tageslichtbad sowie einem „Wohn- und Schlafraum“, der viel Komfort bot.

20200705_153737
(c) Salewski

Wie sehr dieses Hotel in eine andere Zeit entführte, zeigte sich auch daran, dass sich kaum Steckdosen fanden. Nun war ich nicht zum Arbeiten am Notebook dort, doch das Handy auf dem Boden oder im Bad aufladen zu müssen, fand ich nicht ganz so passend. Der Schrank ließ sich (zeitgemäß, möchte ich fast sagen) schwer öffnen und schließen, dafür war er hervorragend ausgestattet, etwa mit weichen Bügeln für die feine Abendgarderobe, mit einem Schuhlöffel aus Holz sowie flauschigen Puschen.

Zum Arrangement „Ferien für Mama“, das für mich gebucht war, gehörte als Willkommensgruß eine Karaffe mit Portwein, ein süßer Gruß aus der Küche sowie eine kleine Obstauswahl. Diese enttäuschte ein wenig, denn sie verbreitete DDR-Charme: zwei Äpfel, die so gar nicht schmeckten, eine wenig appetitliche braune Birne, eine nicht ganz reife Pflaume, dazu ein Butter- statt eines Obstmessers – das hätte sich sicherlich ein wenig besser machen lassen. Ein paar Erdbeeren, Trauben oder Aprikosen wären sehr passend gewesen. Der süße Wein harmonierte dafür prächtig mit dem kleinen Guglhupf.

20200705_153658
(c) Salewski

Die Entspannung setzte dennoch unmittelbar ein. Alles war so herrlich ruhig (als Großstädterin fiel mir das natürlich sofort auf), das Bett bequem, der Bademantel richtig flauschig. Bereits kurz nach meiner Ankunft durfte ich das ebenfalls inkludierte Aromabad genießen: Dafür wurde im Wellnessbereich ein Raum für mich reserviert, das wohltemperierte Badewasser vorbereitet, mit vielen Teelichtern und Kerzen sowie leiser Musik eine zauberhafte Stimmung erreicht und ein Glas des eigens für das Schlosshotel hergestellten Sekts kredenzt. Das alles zusammen mit dem wunderbaren Duft von Blüten und Ölen ließ mich den Alltag wirklich endgültig vergessen. Ich habe dorthin auch ganz bewusst kein Handy mitgenommen, auch nicht für Fotos – diese Augenblicke sollten für mich pur wirken.

Der Abend klang aus mit einem ganz vorzüglichen 3-Gänge-Menü in der Brasserie „Louise“, der kleinen Schwester des großen Restaurants, das zum Zeitpunkt meines Aufenthalts geschlossen war. Als Entrée gönnte ich mir ein Glas des hauseigenen Sekts und bekam eine personalisierte Menükarte gereicht. Am Essen selbst überzeugte sowohl die Leichtigkeit als auch die Raffinesse. Dem Gruß aus der Küche – ein geeistes Gurkensüppchen – folgte Zweierlei vom Spargel an feinem Salat. Als Hauptgang wurde eine zarte Hühnerbrust mit sautierten Tomaten sowie Kartoffelnocken mit Salbei serviert. Zum Dessert erhielt ich ein Erdbeer-Clafoutis mit einem Klecks Vanilleeis. So etwas hatte ich bisher noch nicht probieren dürfen. Clafoutis ist eine Süßspeise aus dem französischen Limousin. Es besteht aus einem gesüßten Eierteig mit einer Mousse-Konsistenz und eben Obst. Es wird warm serviert. In meinem Fall schmolz das Eis herrlich darauf und führte zu einem wirklich vorzüglichen Geschmackserlebnis. Zum Abschluss hatte ich einen ganz wunderbaren Cappuccino, der sehr stilvoll serviert wurde.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Begleitet wurde dieses wunderbare Abendessen durch einen sehr aufmerksamen und niemals aufdringlichen Service. Im Hintergrund spielte leise sehr angenehme Musik – so ließ es sich gut aushalten.

Der nächste Tag begann mit einem schönen Frühstück, das Corona-bedingt nicht als Buffet angeboten wurde. Stattdessen kam ein kleineres Buffet in Form einer Etagère zum Tisch, dazu alles, was ich mir sonst noch so wünschte. Ein kleines Fisch-Arrangement erinnerte charmant daran, dass wir uns in Mecklenburg-Vorpommern befanden – so muss das sein.

Die Burg Schlitz ist nicht nur einfach ein Schlosshotel, sondern verfügt über ein sehr großes Waldgrundstück, das zum Spazierengehen einlädt. Alle Wege sind liebevoll mit kleinen Hinweisschildern angelegt, so dass die Natur drumherum in ihrer Ursprünglichkeit gut zur Geltung kommt. Zu dieser Natürlichkeit gehören auch Wildtiere; so konnte ich einem Reh beim Äsen zuschauen. Da recht wenig Gäste vor Ort waren, hatte ich den Wald praktisch für mich allein und empfand das als großes Geschenk. Hier konnten die Gedanken fließen, begleitet vom Rauschen des Windes in den Bäumen.

Um die Mittagszeit erwartete mich eine wunderbare Wellness-Behandlung mit lauter sehr natürlichen Zutaten: Papaya-Mus, Joghurt, Salz, Kokosöl usw. In etwa 80 Minuten erhielt ich damit nicht nur eine entspannende Massage, sondern auch eine Haut wie ein Baby. Unfassbar, mit welch einfachen Mitteln so etwas erreicht werden kann. Der Effekt ist jedoch nicht nur „physischer“ Natur. In dieser Ruhe und Abgeschiedenheit wurde die Welt draußen auf einmal sehr klein und unwichtig. Das nahm zumindest mir viel Anspannung und sorgte für ein wunderbar wohliges Gefühl.

Leider konnte wegen der umfangreichen Corona-Vorschriften der Wellness-Bereich nicht frei genutzt werden. Normalerweise ist dies inkludiert.

Auch dieser Abend klang mit einem Drei-Gänge-Menü aus. Hervorzuheben war dabei die Flexibilität der Küche: Da für mich Geschnetzeltes vom Kalb nicht in Frage kam, wurde kurzerhand etwas aus Rinderfilet mit frischen Pfifferlingen gezaubert. Die Küchenleitung, Sabine Teubler, leistete wirklich tolle Arbeit. Ich habe mich sehr gefreut, ihr das am nächsten Morgen auch selbst sagen zu können, weil sie beim Frühstück mit servierte. Das Wetter ließ es übrigens zu, draußen zu sitzen – ein sehr schöner Ausblick.

20200707_082006

Was bleibt

Das alles liest sich sicherlich sehr euphorisch und vielleicht auch wie aus einem Werbeprospekt. Doch wer mich kennt, weiß: Es war wirklich so. Wenn ich denn ein Haar in der Suppe finden wollte, wäre das vielleicht, dass am Abend und am Morgen jeweils die gleiche CD zu hören war. Das Obst auf dem Zimmer. Die Steckdosen. Doch all das wäre Moppern auf höchstem Niveau. Denn ich bin der Meinung, dass das Gesamtpaket hier stimmte. Entscheidend war für mich das Gefühl der Exklusivität: Ich erhielt als Gast viel Aufmerksamkeit, das Team ging individuell auf meine Wünsche ein, die Atmosphäre war fast familiär. Ja, das alles hatte seinen (stattlichen) Preis. Doch dafür gab es ein 5-Sterne-Kurzurlaubserlebnis, das Sinne und Geist anregte und zugleich entspannte.

*Keine beauftragte Werbung – dieser Aufenthalt wurde komplett privat bezahlt.  

Hier ist Platz für Ihre Gedanken. Bitte beachten Sie dazu, dass Wordpress bei Kommentaren Ihren gewählten Namen (Pseudonym) sowie Ihre IP-Adresse aus rechtlich erforderlichen Gründen speichert. Kommentieren Sie also bitte nur, wenn Sie damit einverstanden sind. Herzlichen Dank.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.