Mamablogs: Das ist nicht mehr meine Welt

Ich habe heute Vormittag ein sehr spannendes Thema mit meinem K1 besprochen, so richtig von Mutter zu Tochter, sehr vertrauensvoll und nah, sehr achtsam, liebevoll. Es hat mir gezeigt, dass wir in eine neue Phase der Mutter-Tochter-Beziehung treten. Das ist sehr aufregend, und ich genieße das auf eine gewisse Weise sehr. Es hat mir jedoch zusätzlich etwas ganz anderes bewusster denn je gemacht: Ich habe kein Kleinkind vor mir, der Umgang ist ein komplett anderer. Und das passte so gut zu dem Gedanken, der mich seit einigen Tagen schon bewegt: Ich bin dem Leserkreis von klassischen Mamablogs entwachsen. Es ist nicht mehr meine Welt.

Und ich fühlte mich in diesen Überlegungen extrem bestätigt, als ich von der Blogparade erfuhr, die die geschätzte Frau Chamailon initiierte: Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung.

Dieses Gefühl, in dieser speziellen Mütterwelt nicht zu Hause zu sein, erwuchs weniger aus dem Thema an sich, denn das ist m.E. sehr spannend. Es waren die Beiträge mit ihren Kommentaren dazu, auch auf Twitter. Es ging – natürlich – nur um Kleinstkinder, Babys. Als ob es bei Säuglingen da einen ernsthaften Dissens gäbe. Richtig spannend wird die Frage doch erst, wenn die Kinder größer sind, sprich: wenn die Erziehung wirklich anfängt. Stellvertretend dafür mal hier ein Blogbeitrag, den ich bemerkenswert, weil so offen und ehrlich finde. Eine Mutter beschreibt darin ihr Erziehungsproblem mit ihrem neunjährigen Sohn. Sie hat es mit der „partnerschaftlichen Erziehung“ versucht und verzweifelt heute daran. Das erscheint für viele Mamablogger weit weg. Denn selbst, wenn sie ältere Kinder haben, steht thematisch häufig das jüngste, kleinste im Vordergrund (wahrscheinlich ist das zielgruppengerecht).

Wege, die ich nicht mitgehen möchte

Dazu kommen viele Kleinigkeiten, die mir im Laufe der vergangenen Monate aufgefallen sind. Dass ich nicht mehr zur Zielgruppe vieler bloggender Mütter gehöre, mache ich an folgenden Dingen fest:

  1. Zunehmende Kommerzialisierung
    Um das gleich vorwegzunehmen: Ich habe großes Verständnis dafür, dass viele Frauen (auch Männer?) ihr Bloggen monetarisieren möchten. Sie treffen ja auf der anderen Seite auch auf Firmen, die sich über Agenturen Consultants für Influencer Relations zulegen, um die Arbeit mit Bloggern (Meinungsbildern) professionell auf die Beine zu stellen. In manchen Blogs, so mein Gefühl, passt das manchmal sogar ganz gut, häufiger nach meinem Geschmack weniger, aber was soll’s. Mein Punkt ist: Ich möchte das nicht lesen. Einfach, weil es mich nicht interessiert. Adventsverlosungen setzen dem Ganzen die Krone auf. Das ist übrigens in etwa so innovativ wie eine Liste der beliebtesten Plätzchen-Rezepte zu Weihnachten.
  2. Ich tu‘ Dir was Gutes, Du tust mir was Gutes.
    Das gegenseitige Loben hat aus meiner Sicht überhand genommen. Dass sich Blogger untereinander wertschätzen, bedarf meiner Meinung nach nicht der ständigen Wiederholung, was viele ganz offensichtlich anders bewerten. Sichtbar wird das in vielen Hinweisen auf aktualisierte Blogrolls, noch deutlicher wird es mit Blick auf das Adventsbloggen, währenddessen Blogger Gastautoren (natürlich auch Blogger) zu Wort kommen lassen. Ein Link ist zu profan, es muss ein Gastbeitrag sein. Das führt dann dazu, dass ich auf einem Blog, den ich aus verschiedenen Gründen vielleicht sehr schätze, plötzlich jeden Tag einen Beitrag eines anderen Autoren / einer anderen Autorin lese, für die ich mich vielleicht gar nicht so interessiere. Das ist per se nichts Falsches, aber läuft meinem Rezeptionsverhalten zuwider.
  3. Wiederholung von Themen
    Mich beschleicht hier das Gefühl, dass gilt: Es wurde bereits alles gesagt, nur noch nicht von jedem. Mich ermüdet das. Ich bin daran interessiert, Neues zu erfahren. Neues meint hier durchaus auch Meinungen und Erfahrungen. Aber vielleicht sind diese ja irgendwie endlich, vielleicht ist irgendwann alles schon einmal aufgeschrieben worden. Oder aber: Vielleicht hab ich nur das Gefühl, dass es immer das Gleiche ist. Am Ergebnis ändert das nichts – ich brauche das nicht.
  4. Das Verhaftetsein in der Kleinkind-Welt
    Zu Bloggerinnen werden Frauen sehr häufig in dem Moment, da sie schwanger werden oder gerade entbunden haben. Ich kann das absolut verstehen. Als ich schwanger war, wurde ein Mütterforum (zuerst eumom, später ein anderes) mein virtuelles Zuhause. Ich traf dort Mitschwangere bzw. Mit-Muttis, die mit den gleichen Themen, Sorgen, Nöten und Freuden zu tun hatten – der Austausch war wichtig, tat gut und ließ Freundschaften wachsen.
    Als Mutter fühle ich selbstverständlich noch heute mit anderen Müttern und bin interessiert an ihren Wegen, mit bestimmten Fragestellungen umzugehen, die Stichworte heißen hier Erziehung, Schule, Umgang mit den Lehrern usw. Doch wenn diese (heute bloggenden) Mütter mehrheitlich Kinder haben, die deutlich jünger sind als die eigenen, wird das schwierig. Das sind dann nicht mehr meine Themen; und als Klugscheißer à la „komm Du erst mal in mein Alter“ mag ich mich auch nicht gerieren.
  5. Die Selbstreferentialität
    Das hat die Susanne sehr gut in diesem Tweet formuliert:
    https://twitter.com/IchlebeJetzt1/status/676816643796922372

Mir scheint es ein ganz natürlicher Prozess zu sein: Das Leben verändert sich, und mit ihm auch die Interessen. Mütter sind eine sehr heterogene Gruppe, und ich bin offensichtlich aus einer recht großen Gruppe „herausgewachsen“. Das mache ich nicht nur am Alter der Kinder, sondern an beruflichen Umständen und schlicht an Lebenserfahrungen (eigenes Alter?) fest: Die führten bei mir beispielsweise zur Erkenntnis (und hier schließt sich der Kreis zur oben erwähnten Blogparade), dass die eigenen Bedürfnisse nicht im Wettbewerb zu jenen der Kinder stehen. Sie sind gleichwertig; der Unterschied besteht nur darin, dass nicht jeder für seine, sondern ich für meine und (gemeinsam mit meinem Mann) für ihre Bedürfnisse Verantwortung trage.

Insofern ist jetzt der Punkt erreicht, da ich sage: Mein Lebensweg verlief eine längere Zeit parallel zum Weg der Blogs, die von vielen Müttern liebevoll gestaltet und gepflegt werden. Jetzt ist da eine Gabelung, an der ich den anderen Pfad wähle. Ja und, mögen manche sagen. Ich meine: Vielleicht geht es anderen ähnlich, und vielleicht führt es mich und auch andere zu einer Bloggerwelt, in der ich mich (sie sich) wieder zu Hause fühle/n.

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10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kätchen sagt:

    Schön diese Entwicklung zu lesen. Mir geht es ähnlich. Ich lese Beiträge dazu hin und wieder gerne, bin vielem aber schon sehr lange entwachsen. Freu dich auf den neuen Abschnitt mit deiner Tochter/deinen Kindern. Es werden noch viele bewegende/aufregende Momente folgen.

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    1. mrscgn sagt:

      Danke für Deinen Kommentar. Es beruhigt mich, mit diesem Gefühl des Entwachsens nicht allein zu sein.

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  2. Ich weiss genau, was du meinst. Ich bin seit einigen Jahren mit Müttern in Kontakt, die ich während der SS in einem Forum kennen gelernt habe. Da es dort meinen Jüngsten betrifft, ich aber schon mehrere ältere Kinder habe, habe ich auch oft dieses Gefühl. Und das, obwohl ich ja einen in dem Alter habe. Wenn es um allgemeinere Themen geht, bin ich gerne dabei, aber viele typische „Kinderprobleme“ (welcher Kaufladen zu Weihnachten zB) interessieren mich einfach nicht mehr.
    Ich halte mich dann einfach raus.

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    1. mrscgn sagt:

      Danke für Deinen Kommentar.
      Mamis wie Dich habe ich auch kennengelernt – Du hast meine Bewunderung. Ich habe als junge Mutter sehr von Mamis wie Dir profitiert. Heute, so mein Eindruck, legen junge Muttis auf Erfahrungen älterer Mütter kaum noch Wert. Sie haben ihre Vorstellungen und ziehen die durch, fertig. Auch so eine Entwicklung, die ich einfach akzeptieren muss.

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  3. Katharina sagt:

    Ich merke diese „Sättigung“ vor allem als Admin in einem Elternforum, wo es um Themen wie Stillen, Tragen, Familienbett, Windelfrei etc. geht. Irgendwann ist man den Baby- und Kleinkinderthemen entwachsen, irgendwann wiederholen sich die Themen und Threads und irgendwann hat man den Eindruck, alles gelesen zu haben, was es zu einem Thema zu lesen gibt.
    Mein Blog hingegen wächst mit meinem Kind mit. Schliesslich habe ich als „Therapie“ angefangen zu bloggen und nicht im Hinblick auf eine Zielgruppe.
    Ich denke, wer kommerziell bloggt muss viel mehr auf seine Zielgruppe hin schreiben statt einfach die Themen abzuhandeln, die ihr auf der Seele brennen.

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    1. mrscgn sagt:

      Von der Seite (zielgruppengerecht bloggen) habe ich es noch gar nicht betrachtet. Es würde aber vieles erklären. Danke für den Hinweis.

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  4. Sam sagt:

    Mir geht es ebenso wie Dir. Ich habe schon seit Monaten das Gefühl, fehl am Platz zu sein.

    Gleichzeitig habe ich aber noch keine ‚Anlaufstelle‘ für entwachsene Eltern gefunden;)
    Liegt wahrscheinlich daran, dass jetzt wieder andere Interessen wichtig werden?

    Den gleichen Schritt, den Du gerade mit Deiner Tochter erlebst, gehe ich jetzt mit meinem Kleinen und es ist einfach ein schönes Gefühl<3
    Aber es passt nicht rein in die Mamabloggerwelt, wie ich finde.

    Unsere Kinder sind außerdem mittlerweile in dem Alter, in dem Erziehung nicht mehr angebracht ist (nicht falsch verstehen!). Ich habe eher das Gefühl, nun ernten wir, was wir gesät haben;)
    Schade, dass man zu diesem Thema keine Blogs findet.

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    1. mrscgn sagt:

      Ich habe bisher noch keine Blogs gefunden, die sich mit dem Elterndasein von pubertierenden Kindern beschäftigen. Vielleicht habe ich nicht gründlich genug gesucht. Ich hatte hier schon einmal die These formuliert, dass vermutlich keine/r gerne darüber schreibt, wie schwierig, wie manchmal auch bedrohlich und heftig das Zusammenleben mit einem pubertierenden Kind sein kann. Welches Elternteil mag erzählen, dass das Kind nicht hochbegabt ist, sondern Vieren und Fünfen nach Hause bringt? Dazu kommt: Ab einem gewissen Alter bekommen die Kinder das ja auch mit und wollen vielleicht nicht, dass Mama oder Papa darüber berichtet. Ich schreibe hier beispielsweise niemals ohne die Erlaubnis meiner Kinder irgendetwas Persönliches über sie.

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      1. Katharina sagt:

        Letzteres merke ich schon bei meinem Sechsjährigen: Je mehr er zu einer autonomen, „eigenen“ Person wird, desto mehr überlege ich mir, ob ich dieses oder jenes nun wirklich bloggen soll (und in 2 von 3 Fällen entscheide ich mich dagegen).

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      2. mrscgn sagt:

        So sieht’s aus. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, und ich erfahre bei Dir, wie es ist, wenn er 12 oder 13 Jahre alt ist. Ich sage: kein Vergleich zum Alter von sechs, sieben oder acht. Ehrlich. 🙂

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