Drei Erkenntnisse zum Bloggen: Es ist vieles ganz anders

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Meine Vorfreude war ehrlich, und sie war groß: Ich war in Basel beim ersten Schweizer Familienblogger-Treffen. Wie erhofft traf ich mit @MamaOTR eine sehr geschätzte Bloggerin, dazu mit @LadySparfuxx, @MamakeineZeit und @FrauBruellen Frauen, die ich wirklich gerne kennenlernen wollte – schön war’s. Interessant fand ich auch die Begegnung mit Christine Finke, der ich nach wie vor die Idee mit der Abschaffung der Bundesjugendspiele übel nehme. Ich empfand es im persönlichen Gespräch als überaus angenehm, dass wir einander freundlich und wohlwollend (!) begegnet sind, auch wenn wir in bestimmten Sachfragen unterschiedlicher Meinung sind. Mit diesem Tweet ist für mich das Treffen bestens beschrieben:

Doch was nehme ich mit? Was war neu, was war spannend, was  war erhellend? Eine Zugfahrt lang darüber nachdenkend ergaben sich folgende drei Erkenntnissse:

Bloggen als Hobby stirbt praktisch aus.

Nach diesem Bloggertreffen, mit Blick auf die Diskussionen, die ich auf Twitter schon führte und die Gegenstand eines anderen Bloggerinnen-Treffens in Wuppertal waren, mit Blick auf die Reaktionen zur #denkst15 sowie mit Blick auf die kleinen Beobachtungen zur #blogst an diesem Wochenende, die mich erreichten, bleiben eigentlich nur drei Möglichkeiten für Blogger:

  1. Der Blog als Profession
    Wer sich dazu entschließt, regelmäßig zu bloggen, gelangt besonders innerhalb der Familien-Blogger-Welt schnell in eine Welt, in der Fragen gestellt werden, die darauf abzielen, inwieweit sich damit Geld verdienen lässt – als AddOn zum Familieneinkommen, weil es doch im Grunde so leicht und vielleicht auch cool ist. Dann werden Redaktionspläne, SEO und Reichweiten-Zahlen wichtig. Vielleicht auch Glaubwürdigkeit, aber dazu später mehr.
  2. Der Blog als politisches Statement
    Eine zweite Möglichkeit, den eigenen Blog zu positionieren, ist die Politik. Es gibt einige davon, gar nicht mal zwingend in der Familien-Blogger-Szene. Doch auch dort gilt: Aussagen zu Familienthemen sind politisch.  Auf jeden Fall haben Familien, haben insbesondere Mütter etwas zu sagen. Es gibt hervorragende Belege dafür, etwa die tolle Aktion rund um den #Muttertagswunsch oder auch die Aktionen rund um das Thema #alleinerziehend.
  3. Der Blog als Selbstverwirklichung
    Das klingt provokativer als es gemeint ist, denn es ist meine feste Überzeugung, dass dagegen überhaupt gar nichts spricht. Jeder Mensch braucht Anerkennung, ich hatte dazu schon einmal etwas verbloggt. Umso schöner ist es, wenn der Mensch sie für etwas bekommt, das ihm wichtig, das ihm ein Anliegen ist. Noch dazu in einer Form, die so gewünscht ist und gut tut.

Doch wo bleibt jetzt der Platz für den/die Hobbyblogger/in? In der Ecke, in der sich alle liebenswerten Spinner wiederfinden, die von außen belächelt, vielleicht sogar ausgelacht werden? Die vielleicht Dinge tun, die jene, die professionell bloggen, als Angriff auf ihr Geschäftsmodell verstehen (siehe dazu den aktuellen Post von Frau Brüllen)? Die sich nicht für SEO, Bildbearbeitung & Co interessieren und dafür dann zu hören bekommen, sie hätten ja keine Ahnung? Ich hoffe einfach, dass Hobbyblogger nicht (mehr) am (symbolischen) Katzentisch, sondern durchaus auch an der großen Tafel Platz nehmen und sich auf ihre Weise einbringen können. Das heißt: Ich wünsche mir, dass Bloggertreffen auch die Hobbyblogger mitnehmen, Themen für sie auf die Agenda setzen. Dies gelang der Swissblogfamily im ersten Teil des Treffens (Recht am eigenen Bild, Umgang mit Feedback) übrigens sehr gut!

Es gibt der Blogkonzepte viele

Ich gebe zu, dass dies ein Punkt ist, der am meisten mit mir selbst zu tun hat. Ich sehe Blogs als ein noch relativ junges Format, das sich von den Formaten, die ich im Laufe meines (Journalisten-)Lebens kennengelernt hatte, unterscheidet: Blogs sind anders als ein Feature im Fernsehen. Blogs sind anders als eine Fotostory in einem Hochglanzmagazin. Blogs sind anders als feuilletonistische Geschichten, wie ich sie in dem von mir geschätzten „Das Magazin“ lesen kann. Blogs sind anders als Kolumnen in Zeitungen. Blogs sind Realität, sind nahbar, sind persönlich. Heute und erst recht seit gestern, weiß ich: Das ist mein Wunsch, das ist meine Art, einen Blog zu gestalten. Das heißt aber nicht, dass alle Blogger das auch so sehen (müssen) – ganz im Gegenteil. Blogs können ganz genauso sein wie alles, das wir kennen, nur eben in einer anderen Umgebung. Das sind kleine Kolumnen, kleine Geschichten, kleine Features, kleine Reportagen … halt nur im Internet und (in der Regel) von einer Privatperson. Blogs sind nicht einfach nur nicht besser, sie sind auch nicht anders als das, was schon immer da gewesen ist. Das muss nicht schlecht oder schlimm sein, aber ich persönlich finde das ehrlich einfach schade.

It’s all about storytelling

Das wiederum ist ein Punkt, der mir ehrlich zusetzt. Als eine, die mit Schreiben ihr Geld verdient, weiß ich um die Trends zu Content und Storytelling und szenische Einstiege usw. Ich weiß darüber hinaus auch, dass Blog-Autoren und -Autorinnen sich bei aller Privatheit mit ihren Posts nicht entblößen. Das wäre ja auch töricht. Aber: Dass in persönlichen Blogs das „Storytelling“ so weit geht, dass außer der Pointe eigentlich nur wenig bis nichts so war, wie es geschrieben wurde, enttäuscht mich dann doch. Denn: Jeder Blog hat ja so eine Art „about“ im Programm, so dass der Leser weiß, was ihn hier erwartet. Ich habe dort aber noch nie gelesen: „Ich erzähle hier Geschichten, die vom Leben inspiriert sind, aber sich so nicht wirklich zugetragen haben.“ Ich widerspreche hier Andrea, einer Rednerin von gestern, vehement, die die Meinung vertrat, dass es doch egal sei, ob sich die Geschichte im Kindergarten mit einer sehr speziellen Mutter im Clinch mit einer Erzieherin oder in einem Café mit einem Herrn abgespielt hat. Ich bin mir absolut darüber im klaren, dass Autoren und Autorinnen in ihren Blogs nur Ausschnitte ihres Lebens, ihres Denkens, ihres Fühlens zeigen. Doch wenn selbst diese (verständlicherweise wirklich nur kleinen) Ausschnitte nicht echt sind, regelmäßig also das Set-Up oder gar eine ganze Szene verändert wird, welchen Wert hat das dann für den Leser? Wo bleibt die viel beschworene Glaubwürdigkeit, die manche Blogbetreiber jetzt schon als Wert an sich gegenüber der Industrie verkaufen? Als Leser fühle ich mich an dieser Stelle veralbert. Und hier finde ich es irrelevant, dass es eine große Mehrheit ja offensichtlich nicht stört. In meinen Augen ist es unehrlich, unglaubwürdig und naja: einfach sehr bedauerlich.

Bei aller Ernüchterung über bestimmte Entwicklungen in der Bloggerszene: Dieser Blog hier bleibt sehr gerne ein Hobbyblog ohne jegliche professionelle Ambitionen, und es gibt wirklich tolle Blogger und Bloggerinnen in der deutschsprachigen Welt – es war mir ein Fest, gestern einige von Euch kennengelernt beziehungsweise wiedergesehen zu haben!

 

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. anyworkingmom sagt:

    Liebe Mrs Cgn

    Erstmal, vielen Dank für Deinen Beitrag – hier und auch am Samstag. Ich fand Deine kritischen Fragen sehr bereichernd, gekünstelte Harmonie haben wir schon genug in der Schweiz.

    Zu Deinen Beobachtungen möchte ich gerne etwas anfügen, auch, weil ich mich von Deiner Ernüchterung angesprochen (oder angegriffen?) fühle.

    Der Hobbyblog sterbe aus, findest Du. Ich bin nicht dieser Meinung und finde, er sollte durchaus Platz haben. ABER auch ich, die ihren Blog beispielsweise von Anfang an als Unternehmen und nicht als Hobby behandelt hat, sollte sich deswegen nicht schlecht oder als geldgieriges Ding fühlen müssen. Es ist deswegen nicht weniger Liebe oder Leidenschaft drin – aber halt sehr viel Arbeit. Und die lässt sich auch, aber nicht nur abends erledigen, wenn die Kinder im Bett sind. Das heisst, ich investiere einen Teil meiner Arbeitszeit gezielt in meinen Blog, Zeit, in der ich für Kinderbetreuung bezahle, eine Mitgliedschaft in einem Co-Working-Space und viele, viele Lattes ;-). Wer soll mir das bezahlen, wenn nicht ich mir selbst? Und deshalb bin ich darauf angewiesen (und tue das als Journalistin halt schon immer), meiner Leistung einen Wert zu geben, der auch monetär ist.

    Dafür möchte ich mich nicht schlecht fühlen müssen, und ich bin auch weit davon entfernt, mich für zwei Gratis-Bodylotions zu prostituieren. Wenn ich aber einen redaktionellen Beitrag leiste für einen externen Auftraggeber – ja, dann will ich entlöhnt werden. Und trotzdem glaubwürdig bleiben.

    Ich fände diese Thematik sehr, sehr spannend für eine Diskussion – vielleicht im nächsten Jahr? Dir auf jeden Fall alles Gute und danke für nicht nur lobende Worte, denn das wäre ja langweilig.

    Mit lieben Grüssen aus Zürich,

    Andrea

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    1. mrscgn sagt:

      Liebe Andrea,
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ich lese daraus, dass Du Dich von mir so ein klein wenig angegriffen fühlst wegen meiner Haltung zu professionell betriebenen Blogs. Als ich meinen Blog schrieb, musste ich an die Michelle denken, die uns ja mit auf den Weg gab, immer zu überlegen, wen und wie wir mit unseren Texten exponieren. In diesem Fall ging es mir jedoch vor allem um den Aspekt, dass es neben dem professionell betriebenen Blog kaum noch Platz gibt, weil einfach jede/r, dem/der ich begegne, inzwischen zumindest semiprofessionell bloggt. Ich gönne es allen von Herzen. Und nach umfassender Lektüre weiß ich nun auch, wie teuer es in der Schweiz ist, Kinder zu haben; es hat mir richtig weg getan, das zu lesen. Insofern: Du hast meinen allergrößten Respekt, und ich wertschätze auch Deine Arbeit wie die einer jeden anderen Bloggerin (ok, es gibt da Ausnahmen, ich bin da ganz ehrlich 😉 ). Es besteht kein Grund, dass Du Dich schlecht fühlst – sollte mein Beitrag dazu Anlass gegeben haben, entschuldige ich mich dafür, denn das war nicht die Absicht.
      Und warum nicht weitersprechen im kommenden Jahr? Sehr gerne!
      Liebe Grüße aus Köln nach Zürich!

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  2. Liebe Mrs. Cgn,
    Ich bin ziemlich Deiner Meinung, obwohl ich mich schon einige Male verunsichern liess, mir schon sehr viele Gedanken darüber gemacht habe ob ich meine Nächsten bloßstelle. Ich habe dazu auch schon einen Blog geschrieben, dass Texte sowieso immer mit der Autorin zu tun haben, die sie schreibt und – sicher in meinem Fall – halt auch mit den Menschen, denen sie begegnet und sie umgeben. Das hat mit meiner Ehrlichkeit und Authentizität zu tun. Andere halten ihr Persönliches halt gerne ganz verborgen – kann ich auch verstehen. Vielleicht sind ja auch die erfundenen Geschichten irgendwie echt, weil aus der persönlichen Wahrnehmung heraus entstanden. Für mich wäre es definitiv zu kompliziert, für Personen und Handlungen immer einen geeigneten „Ersatz zu suchen“. Doch jeder nach seinem Gusto. 🙂
    Einen Blog professionnel aufzuziehen, finde ich super – wenn man den Durchblick hat. Ich habe schon Mühe meine Seite richtig einzurichten und bräuchte da wirklich Hilfe. Aber auch hier sollte jede es so halten, wie es für sie stimmt. Jede Bloggerin hat ihre Themen, ihre Anliegen und ihre offene oder versteckte Art zu schreiben. Es lebe die Vielfalt und das Herzenblühen!

    Herzlich Ingrid aus Schönenberg bei Zürich
    http://www.herzenbluehen.ch

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    1. mrscgn sagt:

      Liebe Ingrid,
      schön, dass es bei Dir so angekommen ist – Danke für Deinen Kommentar.
      Ich gebe zu, dass meine Haltung in Sachen Glaubwürdigkeit schon sehr strikt ist. Aber das ist dann eine Sache, die ich mit mir selbst abmachen muss. Wenn das jemand anders sieht, habe ich das zu akzeptieren. Nur: Wenn ich höre, dass Agenturen Firmen dahingehend beraten, dass man bei Blogs doch nicht so sehr auf Zahlen, sondern eher auf die Glaubwürdigkeit achten sollte, dann passt da für mich etwas nicht zusammen. Wie kann ich Glaubwürdigkeit als so hohes Gut sehen, wenn ich es damit nicht so genau nehme? Oder anders formuliert: Wenn die Definition von Glaubwürdigkeit verhandelbar ist?
      Herzliche Grüße aus Köln zu Dir nach Schönenberg.

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