Bewältigungsstrategien

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Ich bin extrem faul und habe keine Lust, den eigentlich geplanten Spaziergang mitzumachen. Ich will lieber im Bett bleiben, mir einen Kakao machen, einen Film gucken oder einfach lesen.
Mein Weg: Ich stehe auf, zieh mich an, bringe das Kind zur Geburtstagsfeier, die in einer Bowlingbahn stattfindet, stelle das Auto einfach ab und gehe los. Mit dem Mann, versteht sich. Durch einen Park, den wir bisher noch gar nicht so wahrgenommen hatten. Durch ein  Veedel, in dem so viel Neues und vor allem echt Schönes gebaut wurde. Zwei Stunden vergingen wie im Fluge, und das Kind, das ursprünglich auch nicht zu Feier wollte, kam uns freudestrahlend vom Bowlen entgegen.

Ich habe extrem schlechte Laune, will von niemandem angesprochen werden, finde alles nur noch blöd und möchte am liebsten nur noch rumbrüllen und rummotzen.
Mein Weg: Ich stelle mir mein Bügelbrett auf, Kopfhörer ins Ohr, Abba und ähnliches an – seit neuestem geht auch Helene Fischer, aber nur die schnellen Songs, laut mitsingen. Das ist für meine Umwelt ganz sicher erträglicher als meine Motzerei. Alternative: Ich koche Marmelade. Hilft immer.

Ich beiße mich ein bisschen fest in einer virtuellen Diskussion, wäge meine Worte bewusst, weil ich ja nicht verletzen will, fühle mich trotzdem unverstanden und frage mich, warum das so ist.
Mein Weg: Ich erzähle es meinem Mann. Wenn ich ihm von den familiären Problemen, von denen ich gerade lese und die mir so unverständlich erscheinen, vorlese, hat er meist ein bis zwei Sätze, die es auf den Punkt bringen und sofort Klarheit verschaffen. Ich denke in manchen Dingen einfach immer noch zu kompliziert.

Ich rege mich über berufliche Dinge auf, bin drauf und dran, eine Entscheidung rein aus dem Bauch heraus zu treffen, ohne den Kopf vorher befragt zu haben.
Mein Weg: Ich rufe eine Freundin an. Geht gar nicht unbedingt um eine Entscheidung, die sie für mich treffen soll, sondern ums Drüberreden, ums Sich-Auseinandersetzen. Sie übt den gleichen Job aus wie ich, kennt das Geschäft und den Kunden, sie ist einfach absolut klar und eindeutig. Da bleibt kein Platz für Interpretation, das ist verbindlich, das ist hilfreich. Jede/r sollte auch bei beruflichen Dingen so eine/n Freund/in haben.

Ich bin keine, die schnell enge Freundschaften schließt. So was muss wachsen, sich bewähren und sich vor allem immer gut und richtig anfühlen. Das ändert sich manchmal und setzte mir in der Vergangenheit sehr zu. Ständig diese Grübelei, ständig diese Suche nach Fehlern (selbstredend erst einmal bei mir). Damals.
Heute mein Weg: Ich finde mich damit ab, dass mein Orbit permeable ist – in beide Richtungen. Da „rotieren“ welche hinein und eben auch wieder hinaus. Und das ist nicht mal schlimm, sondern für mich absolut in Ordnung. Menschen verändern sich, ich eben auch. Was gestern noch gepasst hat, tut es heute manchmal nicht mehr. Gehen lassen zu können, heißt jedoch nicht, dass sich Zuneigung in Abneigung gewandelt hätte, sondern konsequentes Achtgeben auf sich selbst.

Töchter zu haben, die entweder in der Pubertät sind oder gerade kurz davor sind, in diese Phase einzutreten, ist gelegentlich eine Herausforderung. Es ist gut, dass das nicht plötzlich passiert, sondern ein Prozess ist, man wächst da als Eltern quasi mit. Diese Phasen, und hier werden viele Eltern mit Kindern in diesem Alter nicken, sind immer mal wieder wirklich schwer auszuhalten. Türknallen, wüste und sehr grundsätzliche Beschimpfungen in Richtung aller Familienmitglieder, stundenlange Blockade der Telefonleitung sowie die auf ein Minimum heruntergefahrene Kommunikation mit der familiären Umwelt – damit musste ich eine Art des Umgangs finden.
Mein Weg: Ich bin besonders leise, freundlich und unterstützend. Ich meide Themen, die Anstoß erregen könnten (Schule zum Beispiel), ich verkneife mir Bemerkungen übers Outfit, ich biete Hilfe an (Aufräumen), verhalte mich so, wie ich es gerne von allen hätte (Vorbild!), lasse in Ruhe, atme ein und aus, und ich beziehe all das vor allem nicht auf mich. Das funktioniert. Echt.

Das liest sich alles recht einfach, war aber ein längerer Prozess. Vielleicht ist es auch eine Frage des Alters, durch einen Todesfall in der Familie ist mir die Endlichkeit des Seins mal wieder sehr bewusst geworden: Es hat wenig Sinn und macht auch keine Freude, dass ich mich über alles und jeden aufrege – vor allem über Dinge, die ich gar nicht beeinflussen, sprich ändern kann. Das gilt für politische Dinge, aber eben auch im Kleinen, im Freundes- und Bekanntenkreis, im Job. Ich muss auch hinnehmen, dass Menschen so sind, wie sie nun mal sind. Mich darüber aufzuregen bringt nichts, denn sie sollen und werden sich nicht ändern, damit ich mich besser fühle, dafür haben sie gar nicht die Verantwortung. Aber auf mich selbst habe ich Einfluss: Ich kann mich mal auf meine kleine Faulheit einlassen, ich kann mir aber auch einen Ruck geben und bestimmte Dinge einfach mal tun. Auch wenn es anstrengend ist und vielleicht wirklich Kraft erfordert. Es ist spannend zu erleben, was dann so passiert. Anders gesagt:

 

 

 

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