Karrierefragen (1)

Im Verlauf dieser Woche entspann sich auf Twitter nach diesem Tweet hier eine interessante Diskussion:

Dabei gehen mir ganz viele Fragen durch den Kopf:

  1. Inwiefern hat eine Vollzeit arbeitende Mutter zwei Ganztagsjobs? (immer unter der Voraussetzung, dass sie nicht alleinerziehend ist?
  2. Warum werden Vereinbarkeitsfragen zumeist nur unter Frauen diskutiert? Haben Männer/Väter nichts zu vereinbaren?
  3. Was hat es mit der „Teilzeitfalle“ auf sich?
  4. Weshalb wird so oft darüber gesprochen, was alles wichtig ist für eine Karriere, was ihr dienlich oder sehr abträglich ist? Warum fragt keiner: Wozu brauche ich eine Karriere? Geht es auch ohne? Und wie könnte dann beruflicher Erfolg aussehen? Und wenn doch Karriere: Welche Modelle gibt es hier?

Ich habe ganz bewusst mal Zahlen vor die Fragen gestellt, denn ich werde mich in einer losen Folge von Blogposts mit den Antworten darauf beziehen. Jedes Thema bietet für sich genommen wirklich viel Stoff – zum Sich-Aufregen, zum Kopf-Schütteln, zum Nachdenken, zum Haltung-Zeigen und zum Weitersagen.

Heute möchte ich mich der ersten Frage widmen, einer klassischen zum Thema Vereinbarkeit. Meine Antwort darauf soll das Skizzieren des Modells sein, das ich gemeinsam mit meinem Mann lebe. Dieser Weg ist nicht der einzig gangbare und ultimativ richtige (gibt es einen solchen überhaupt?), sondern einer, der aufzeigen soll, dass das Thema Vereinbarkeit im ganz Kleinen anfängt – und zwar zwischen den Partnern, hier: zwischen Mann und Frau.

Zwei Kinder, zwei Vollzeitjobs

Als mein Mann und ich zusammenfanden und der Wunsch nach einem Kind wuchs, waren wir beide uns sofort einig, dass dies eine Angelegenheit von uns beiden sein wird, und zwar nicht nur bei der Entstehung, sondern so lange wir dann Eltern sein würden. Konkret sah das so aus: Bei K1 stieg ich nach sieben Monaten beruflich wieder ein, ab dann kümmerte sich mein Mann (damals selbständig) um das Kind, bis es mit 15 Monaten in einen Kindergarten kam. Bei K2, das viereinhalb Jahre später auf die Welt kam, gab es dann schon Elterngeld, das ich zwölf Monate in Anspruch nahm, mein Mann zwei Monate. K2 kam anschließend in den Kindergarten, in den gleichen wie K1. Ich nahm zu dem Zeitpunkt nach zwischenzeitlicher Selbständigkeit wieder eine Tätigkeit in Festanstellung an – in Vollzeit. Anfänglich engagierten wir eine Kinderfrau, die die Kinder von Kindergarten und Schule abholte und bei uns zu Hause betreute, bis einer von uns nach Hause kam. Als die Kinder größer wurden, kamen sie allein nach Hause.

Beide in Vollzeit arbeitend mit zwei Kindern in einer mittelgroßen Wohnung: Das kann nur funktionieren, wenn alle mitmachen. Also haben wir die anfallenden Tätigkeiten im Haushalt, zu dem auch zwei Katzen gehören, aufgeteilt und das Ergebnis schriftlich festgehalten. Jede(r) bekam feste Aufgabenbereiche. Da ich beruflich oft unterwegs war, auch mal über Nacht oder für mehr als zwei Tage, übernahm mein Mann auch schon mal nahezu alles – Vollzeit arbeitend, versteht sich.

Je größer die Kinder wurden, desto mehr wurden sie in die allgemeinen Hausarbeiten mit einbezogen. Inzwischen gibt es den Plan für die ganze Familie, die Kinder haben ihre Dienste, die sie zu erfüllen haben. Das durchzusetzen, ist oft nicht ganz so einfach, aber wir sind da hartnäckig – die Konsequenz fürs Nichteinhalten heißt immer: weniger Zeit für gemeinsame Dinge. Hilft nicht immer, aber oft. Für ihre Zimmer sind die Kinder selbst verantwortlich, und ich staune, dass dies mit viel Konsequenz (ja, nennen wir es Unerbrittlichkeit) tatsächlich funktioniert. Ist mein Mann dienstlich unterwegs, wuppe ich Kinderziehung und den Haushalt alleine, so wie er es tut, wenn ich länger arbeiten muss und erst spät heimkomme.

Vereinbarkeit für beide verhandeln

Wir haben das hier wirklich sehr gleichberechtigt „aufgesetzt“ und leben dieses Modell (richtig umfassend beschrieben wird das in dem Buch „Das 50/50-Prinzip“) *. Dass es funktioniert, hat drei entscheidende Gründe:

  • Wir hatten beide vor unserer Ehe auch ein (berufliches) Leben, waren beide engagiert, keiner sollte das aufgeben müssen, nur, weil nicht mehr jeder für sich lebte.
  • Keiner verfolgt egoistisch seine Ziele, sie werden vorher besprochen und müssen immer von beiden mitgetragen werden. Anders hätte für uns beide ein Miteinander-Leben wenig Sinn.
  • Wir sehen den jeweils den anderen und justieren immer mal nach: Wie fühlt sich der jeweils andere mit der Situation? Das kann für bestimmte Phasen bedeuten, dass einer trotz beruflicher Vollzeit mal mehr zu Hause übernimmt oder bestimmte Dinge einfach sein gelassen werden. Es kann auch bedeuten, dass exklusive Zeiten für jeden von uns nicht 50/50, sondern anders aufgeteilt werden. Es kann auch bedeuten, dass ich in bestimmten Phasen im Homeoffice arbeite und meine Arbeit splitte, sprich sie teilweise in den späten Abend verlagere.

Unser Luxus ist letztlich, dass wir zu zweit sind und uns das auch immer wieder bewusst machen. Alleinerziehende könnten das so nicht umsetzen, das geben die Betreuungszeiten von 7.30 bis 16.30 Uhr (Kindergarten) oder 8 – 16 Uhr (Ganztagsschule) gar nicht her. Aber es zeigt, dass weder Frau noch Mann in einer Gemeinschaft zwei Ganztags-Jobs wuppen müssen, wenn sie beide Verantwortung für ihre Elternschaft übernehmen. Das klappt nicht täglich reibungslos und verlangt manchmal viel Disziplin, führt aber schließlich dazu, dass sich jede/r von uns entfalten, entwickeln und er/sie selbst bleiben kann. Wir hören mit dem Elternsein nicht auf, Mann bzw. Frau zu sein. Das wollen wir beide weiterhin leben können. Dazu gehört für jeden auch die Freiheit, weiter allein Freunde zu treffen oder ein Hobby zu pflegen (sage ich als leidenschaftlicher Fußball-Fan). Eine derartige Organisation des Alltags macht ein Leben zu viert miteinander statt nebeneinander möglich und schön.

Ich kann daher nicht immer die Vereinbarkeitsdiskussion verstehen, vor allem dann, wenn die Eltern zusammenleben: Es beginnt immer in der Partnerschaft selbst. Machen wir also zunächst unsere Hausaufgaben und fangen dann an, die Situationen anderswo dahingehend zu verändern, dass wir uns selbst und schließlich noch mehr (andere) Menschen sich wohler fühlen (können): durch entsprechende Wahlentscheidungen oder in der Politik selbst, durch entsprechendes Engagement in den Unternehmen oder in Netzwerken und auch in unserem privaten Umfeld.

 

*  Ich habe das Buch nicht gelesen, aber einige Tweets und Blogposts dazu. Auf dem Blog dazu heißt es u.a.:

Wichtig in den Debatten bleibt dabei, das grundlegende strukturelle Problem – das starre Ideal der Frau als Mutter, dessen gleichzeitige Überhöhung und Abwertung – zu benennen.

Mich hinterlässt diese Betrachtungsweise ein wenig ratlos: Was hindert die Menschen, die eine Partnerschaft eingehen, daran, ihr eigenes Ding durchzuziehen, unabhängig davon, was irgendwer denkt? Dieses vermeintliche Ideal der Frau als Mutter existiert in den Köpfen, und es liegt an uns Frauen auch zu einem großen Teil selbst, es zu verändern. Und zwar vor allem, indem wir Vorbilder sind für unsere Kinder, es also einfach anders, sprich konsequent gleichberechtigt leben. Niemand, wirklich niemand hindert uns daran!

 

 

 

 

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Sam sagt:

    Interessante Fragen, die ich mir ebenfals schon oft gestellt habe. Da versuche ich dran zu bleiben:)

    Euer interner Ansatz gefällt mir sehr gut. Für mein Verständnis ist Vereinbarkeit nur gemeinsam zu wuppen. Dabei ist es vollkommen egal, wie viele Stunden jeweils gearbeitet wird.

    Wenn innerhalb der Partnerschaft auf beiden Seiten der Wille da ist, die Familie als gemeinsames „Projekt“ zu sehen und gemeinsam daran zu arbeiten, fühlt sich dies nicht als Arbeit an. Das ist dann gemeinsam leben.

    Leider denken nicht immer alle Beteiligten so und halten an alten Strickmustern fest. Wenn sich ein Partner verweigert, neben der Arbeit auch zu Hause seinen Obolus beizutragen und nicht Willens ist, nötige Veränderungen anzugehen, hat der andere nun mal die doppelte Verantwortung und Arbeit.

    Das ist meine persönliche Erfahrung. Überraschenderweise bot mir die Phase als Alleinerziehende danach sogar mehr Freiheiten und Perspektiven.

    Seit ein paar Jahren habe ich nun das große Glück, einen Partner gefunden zu haben, für den es selbstverständlich ist, gemeinsam den Alltag -für alle- passend zu machen. Auch meine Kinder tragen (mittlerweile;) gerne dazu bei. Für uns alle wichtig ist dabei, dass wir offen und ehrlich im Gespräch bleiben.

    Ich bin gespannt auf Deine weiteren Antworten.

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