Eine neue Küche: Geplant, geprüft, gekauft

Nach drei Monaten Wartezeit ist nun endlich unsere neue Küche da, und wir, sprich: mein Mann und ich, sind es zufrieden. Allerdings nicht zu 100 Prozent, es gibt eben immer ein paar Kleinigkeiten, die wir zum einen heute etwas anders entschieden hätten, zum anderen besteht zwischen Zeichnung und Umsetzung doch immer noch ein kleiner Unterschied. Wir wollen nicht meckern, es ist absolut okay so, sondern einfach einmal aus unserer Erfahrung heraus festhalten, auf welche Punkte es sich lohnt, ganz besonders zu achten. Diese Empfehlungen gelten vor allem dann, wenn man eine Küche in eine Mietwohnung einbaut. Bei Eigentum hat man sowohl bei der Größe der Küche, als auch den Ausstattungsdetails (Boden, Fliesenspiegel ja oder nein, Stromkreise, Steckdosen) sehr viel mehr Freiheit. Hier also unsere Erkenntnisse.

Wir haben einen Plan.

Es steht fest: Eine Küche soll gekauft werden. Bevor es an die Umsetzung geht, gilt es, folgende Dinge zu beachten:

  • Wie stellt man sich die Küche vor? Welche Geräte sollen es sein? Prioritäten setzen: Stauraum oder Arbeitsfläche? Wir hatten zum Beispiel die klare Priorität bei Stauraum. Das bedeutete, dass es zwingend Hochschränke und viele Schubladenelemente geben musste. Ein Backofen unter der Arbeitsplatte nähme Stauraum, bei der Variante, ihn auf Augenhöhe einzubauen, ginge Arbeitsfläche verloren.
  • Budget festlegen. Es bringt wenig, das völlig offen zu lassen, da es für alle Seiten unbefriedigend und irgendwie enttäuschend ist, die Planung nach und nach abspecken zu müssen. Umgekehrt kann es ärgerlich sein, wenn man hinterher feststellt, was zum Beispiel für 2 TEU mehr alles drin gewesen wäre.
  • Anregungen im Bekannten- und Freundeskreis holen. Auf manche Dinge kommt man oft gar nicht. Beispielsweise erscheint es auf den ersten Blick ungewöhnlich, Backofen und Herd räumlich weit voneinander zu trennen – das kann aber eine gute Idee sein. Clevere Lösungen zu Steckdosen oder für Ecken kann man sich durchaus abschauen.
  • Es klingt banal, aber man sollte sich vorab überlegen, in welche Richtung es optisch gehen soll: Eher Landhausstil oder hip? Glänzende oder matte Oberfläche? Welche Farben? Die Auswahl kann einen schon mal überfordern.
Wir suchen ein Küchenstudio.

Wir sprechen hier nicht von Mitnahme-Möbelmärkten, da wir hier keine Erfahrung haben. Uns geht es um die klassischen Küchenstudios, die über eine große Auswahl an Küchen und Zubehör verfügen, darüber hinaus umfassend beraten und eine individuelle Preisgestaltung (!) möglich machen. Folgende Überlegungen sind aus unserer Sicht hier wichtig:

  • Zeit lassen. Unter Druck entscheidet es sich ganz schlecht. Mehrere Küchenhäuser (heißt: mindestens zwei) aufsuchen, um sich überhaupt erst einmal Ideen zu holen. Erst danach einen Termin für die Planung machen. Für den Planungstermin richtig Zeit mitbringen und möglichst nicht kleine Kinder mitnehmen. Drei bis vier Stunden sind da nichts, wir haben fünf gebraucht. Schließlich: Vor jeder Unterschrift mindestens eine Nacht darüber schlafen.
  • Bewusste Wahl des Küchenstudios: Dieses sollte viele Geräte, die in Frage kommen, tatsächlich vorführbereit haben. Kataloge genügen nicht. Daten sind zwar schön, doch live sehen, anfassen und ausprobieren ist besser. Es geht dabei vor allem um die Geräte sowie um Ausstattungsdetails, man denke hier an den Einsatz fürs Besteck, die Aufteilung der Mülleimer unter der Spüle usw.
  • Lage des Küchenstudios: Ein Anbieter in der Nähe des eigenen Wohnortes ist von Vorteil. Beim Küchenkauf werden mehrere Besuche dort nötig, wir waren viermal da, und es zahlt sich aus, wenn man bei Fragen, eventuellen Reklamationen oder Ähnlichem schnell vor Ort ist.
  • Wer in einem Küchenstudio kauft, sollte sich auf Lieferzeiten einrichten, die etwa bei 2-3 Monaten liegen.
Wir lassen uns beraten.

Nachdem wir uns Ideen geholt hatten, ging es nun zum Beratungs- und Planungstermin. Wir brachten den Grundriss der Küche mit sowie eine Vorabplanung, die meine Mutter mit einer Software von einem namhaften Küchenhersteller erstellt hatte. Außerdem hatten wir eine Idee von Farben, Ausstattungen und Preis.

  • Zum Beratungs- und Planungstermin sollte man eine kleine Liste mitnehmen, auf der zuvor die wichtigsten Ausstattungsdetails, also jene, die auf jeden Fall drin sein sollen, notiert wurden. Bei der Bestellung können die einzelnen Punkte abgehakt, ggf. vom Berater bestätigt werden. Beispiele wären der Teleskopauszug beim Backofen, der Nupsi beim via Touch zu bedienenden Herd (das Ding heißt TwistPad und sieht so aus), optische Programmablaufanzeige bei der Spülmaschine. So etwas geht gerne im großen Ganzen unter. Wir waren hier nicht an jeder Stelle konsequent.
  • Gespräche mit dem Kundenberater protokollieren. Das klingt aufwändig und nervig, ist aber wichtig. Am Ende erhält man als Kunde nur eine Auftragsbestätigung, einen Ausdruck der Planung und eine Materialliste. Die Typenbezeichnungen der Geräte sagen einem dann in der Regel nicht viel. Nicht alle Features und Funktionen sind hier aufgelistet, und das kann später zu Verwirrungen führen. Am besten dazu auch Fotos (Handy) von den Geräten machen, die gewünscht werden.
  • Niemals beim ersten Termin unterschreiben, auch wenn die Berater Kampfpreise aufrufen, von Tagesangeboten oder Ähnlichem sprechen. Angebote gibt es immer wieder, Spielraum hat der Berater auch an einem anderen Tag. Am Preis wird der Kauf ganz sicher nicht scheitern. Bei uns lagen zwischen Planungsgespräch und Kauf tatsächlich sechs Wochen. Preislich machte das praktisch keinen Unterschied.

Bei der Planung selbst, gilt es, auf viele Kleinigkeiten zu achten, auf die man vorab vielleicht gar nicht kommt:

Induktions-Kochfeld vom Backofen getrennt; durchlaufende Verkleidung des Fliesenspiegels.
  • Check der elektrischen Stromversorgung: Wer beispielsweise daran denkt, mit zwei Backöfen (ein großer und ein kleiner, der in die Mikrowelle integriert ist) zu arbeiten, braucht auch mindestens zwei getrennte Stromkreise – für jeden Backofen einen. Wer plant, Elektro-Großverbraucher anzuschließen (Kühlschrank mit Gefrierkombi, Kaffeeautomat, Wasserkocher, Thermomix u.ä.) benötigt dafür jeweils separate Stromkreise. Denn, Arbeitssteckdosen für Mixer, Pürierstab, Waffeleisen werden ja auch noch gebraucht. Auch die Lage der Steckdosen gehört vorher geprüft (Zeichnungen, Fotos!). Bei uns war das ein Riesending.
  • Küchentür: Wie geht die auf, blockiert sie eventuell irgendwelche andere Türen (Schränke, Spülmaschine)? Das ist vor allem bei kleinen Küchen, wie man sie in Mietwohnungen häufig findet, wichtig.
  • Über die Beleuchtung sollte man nachdenken. Manches lässt sich besser einrichten, wenn es gleich bei der Montage passiert. Nachträglich eine einzubauen, kann aufwändiger und kostspieliger sein.
  • Optimale Platzausnutzung ermöglichen: Wir haben gelernt, dass ein LeMans-Schrank zwar sehr praktisch und elegant ist, aber nicht zwingend die beste Raumausnutzung bedeutet. Mitunter kann es sinnvoll sein, diese Ecke leer zu lassen und dafür klassische Unterschränke mit Schubläden zu nutzen.
  • Ergonomie beachten: Hochschränke, die sich nach oben öffnen lassen, sind schick, für kleinere Menschen aber eine denkbar schlechte Lösung. Für mich kamen sie daher nie in Frage.
  • Weitere Kosten rund um den Küchenkauf bedenken: Wer sich ein Induktionskochfeld bestellt, braucht unter Umständen neue Töpfe. Auch die Renovierung der Küche, bevor die neue aufgebaut wird, kostet Geld. Hier sind es nicht große Einzelbeträge, sondern es ist die Summe der vielen Kleinigkeiten, die unterschätzt wird. In dem Zusammenhang sollten auch weitere anfallende Kosten geklärt werden: Abbau und Entsorgung der alten Küche (gegegebenenfalls durch Fremdanbieter), Materialkosten beim Aufbau, Montage inkludiert oder nicht usw.
Wir bekommen unsere neue Küche.

Wie vorher geplant, warteten wir sehr lange auf unsere Küche. Mir persönlich war nicht klar, wie lange so ein paar Wochen sein können. Ich sehnte mich danach, dass es endlich passiert. Dann wurde die alte Küche ausgeräumt, und wir waren plötzlich ohne Küche. Eine ganze Woche lang. Wahnsinn. Ich habe das ehrlich unterschätzt. Diese Woche war in gewisser Hinsicht allerdings notwendig, denn: Wir haben die Küche komplett renoviert, und die Farbe musste ja auch trocknen. Wir haben dafür keinen Urlaub nehmen wollen, sondern es musste ein Wochenende dafür herhalten. Wenn die neue Küche dann erst an einem Freitag geliefert wird, ist diese Woche verdammt lang. Jetzt also noch die Montage:

  • Bei der Montage auf Rückfragen der Monteure einstellen und bereit sein für Entscheidungen: Wenn der Monteur Fragen stellt, ist das ein gutes Zeichen. Mitunter gibt er auch Hinweise, wie manches effektiver oder schlicht besser umgesetzt werden kann, etwa Silikonverklebung statt Leisten, Blenden für Lücken o.ä.
  • Manchmal ist es auch gut, zwischendurch einmal nach dem Stand der Dinge zu schauen: Auch Monteure sind Menschen und übersehen bzw. missverstehen etwas. Bei uns zeichneten die Monteure gerade auf der Arbeitsplatte die Position des Herdes ein, bis ich darauf hinwies, dass das Kochfeld nicht auf dieser Seite eingesetzt würde. Es war einfach die Macht der Gewohnheit; und bei uns hat das  Kochfeld atsächlich eine außergewöhnliche Position.
  • Dicke der Wände prüfen: Bei der Montage werden Löcher für die Befestigung der Hochschränke gebohrt. Dafür sollten die Wände ausreichend dick sein. Am besten nutzt man dafür die Bauzeichnung (Grundriss) der Küche. Andernfalls könnte es passieren, dass der Monteur durch die Wand hindurchbohrt und eventuell etwas Wertvolles beschädigt.
  • Bei der Abnahme nach der Montage empfiehlt sich eine Unterschrift unter Vorbehalt. Hintergrund: Manche Dinge sind nicht so schnell zu erkennen. Unser Monteur hat beispielsweise die Spülmaschine zum Test angestellt. Ich konnte sie also nicht öffnen zur Abnahme. Das Ergebnis: Die Tür zum Öffnen war an der Feder nicht korrekt eingestellt, denn sie schnippte beim Öffnen immer wieder zurück. Der Mann konnte das netterweise leicht beheben, aber im ersten Moment guckte ich schon ein wenig irritiert.
  • Nachdem die Küche fertig montiert war, empfahlen Küchenberater und Monteur unabhängig voneinander, nicht gleich zu putzen und einzuräumen. Die Fronten waren mit einer Schutzfolie ummantelt, die erst am Ende abgezogen wurde. Damit entstand eine elektrostatische Aufladung. Hätten wir sofort drüber gewischt, hätten wir den Staub nur verteilt, der herumwirbelnde hätte sich sofort wieder auf den Oberflächen abgesetzt. Gibt man dem Ganzen Zeit, fällt der Staub quasi herunter. Außerdem sollten die mit Silikon verschlossenen Fugen sowie die Verklebungen vollständig aushärten und trocknen.
Grifflose Küche; Mikrowelle und Backofen übereinander und integriert, Fliesenspiegel verkleidet.

Es hat sich also gezeigt, dass die Küchenmöblierung zu einem richtigen Projekt werden kann, das in seinem Ablauf immer noch Optimierungspotenzial hat. Es ist absolut okay so, wie es ist, vor allem das Thema Strom haben wir, wie ich finde, gut gelöst, nämlich so. Wir haben Herd und Backofen getrennt, die Dunstabzugshaube (was für ein hässliches Monstrum) gespart und weiteren Stauraum gewonnen, und auch die Mikrowelle integriert. Wir freuen uns sehr.

Das Gute an allem: So eine Küche kauft man in der Regel nur alle 15 bis 20 Jahre.

Update: Leider war die Montage nicht so perfekt, wie es zunächst aussah. Auf welchen „Service“ wir dann trafen, habe ich hier  aufgeschrieben.

 

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. lehrerperle sagt:

    Wertvolle Tipps. Danke!
    Und Euch eine schöne (Koch-/Wohn-/Lebens-)Zeit mit der neuen Küche.

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    1. mrscgn sagt:

      Sehr gerne und: Dankeschön! Wir glauben einfach, dass sich so ein Küchenprojekt entwickelt und es gut ist, sich vorab viele Dinge wirklich gut zu überlegen. Gerade, wenn man eine Küche einrichten will, für die keine Standardlösungen möglich sind. Bei uns war das der Fall, es war wirklich aufwändig.

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