Tage wie in der Pubertät

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Als eine Mutter mit einer fast 13-jährigen Tochter bin ich derzeit bestens im Bilde darüber, was Pubertät bedeutet. Wir sind da alle irgendwann durchgegangen, und doch frage ich manchmal … egal. Mir geht es hierum die Amplitude der Schwankungen bei der allgemeinen Befindlichkeit: Von wirklich glücklich und zufrieden sein bis komplett frustriert und sauer hatte ich in den vergangenen (blogfreien) zwei Wochen so ziemlich alles dabei.  Rückblickend betrachtet war sicherlich nichts wirklich dramatisch, doch in den jeweiligen Momenten setzte es mir zu.

Was mich nicht umhaut, macht mich härter

Ich mag meinen Job. Sehr. Ich darf darin das tun, was ich wirklich kann und mir auch noch richtig Spaß macht. Doch manchmal muss ich da ganz schön viel auf einmal können, und bei solchen Gelegenheiten fällt mir dann immer auf, dass mein Tag entgegen aller Wünsche auch nur 24 Stunden hat. Bei allem Enthusiasmus hat das echt Frustpotenzial, vor allem, wenn dann zusätzlich Dinge passieren, gegen die ich selbst absolut machtlos bin, die ich nicht selbst beeinflussen kann. Dieses Gefühl habe ich ganz sicher nicht exklusiv, doch was derzeit einfach auffällt, ist  diese Schwankungsbreite: Feierlaune wechselt sich mit höchster Verärgerung über kleine und große Dinge ab. Was mir hier hilft, ist tatsächlich – so abgedroschen das auch klingt – Erfahrung. Ich habe das in modifizierter Form schon so oft erlebt, dass es mich eben nicht  mehr komplett umhaut, sondern nur nachdenklich macht und zu dem Ergebnis gebracht hat, das Notebook übers Wochenende einfach im Büro zu lassen.

Und dann sind da diese merkwürdigen Diskussionen in den Social Media. Das frustriert mich weniger, als dass es mich einfach ärgert. Auch wenn ich nicht direkt betroffen bin, so packt’s mich schon, wenn Mütter aufeinander einhauen.  Aktueller Aufreger war ein Blogpost zum Thema „Arschlochkind“. Diesen Begriff brachte Michael Mittermeier ins Spiel (bevor er Vater wurde). Witzigerweise war ich erst kürzlich bei seinem Auftritt in Köln, und auch in diesem Programm fiel dieses Wort. Ich geb’s zu: Ich habe gelacht. Auch wenn das Wort selbst alles andere als lustig ist.

Doch die Frage ist: Wie gehe ich damit um, wenn damit eventuell mein eigenes Kind gemeint ist? Und ich das nur indirekt erfahre, weil die entsprechende Person nicht den Hintern in der Hose hat, es mir ins Gesicht zu sagen. Ich hätte dazu eine Menge Vorschläge – die Kinder der anderen Mütter „abgerichtete Papageien“ zu nennen wäre keiner davon. So weit, so unspektakulär. Doch was mich wirklich irritiert: Ganz viele Frauen scheinen sich daran nicht zu stören. Sie sind voll des Mitleids für die Mutter des so unanständig betitelten Kindes, dass sie scheinbar übersehen, dass hier in nicht minder zweifelhafter Art zurückgehauen wird. Eine Alternative wäre,  weiterzugehen und sich zu denken, dass solche Begriffe doch mehr über jenen aussagen, der es benutzt, als über den eigentlichen Adressaten. Zumal man selbst es doch tatsächlich besser weiß. Aushalten. Weglächeln. Ganz souverän. Das scheint nicht Jedermanns Sache zu sein.

Momente wahrnehmen und genießen

Unfassbar wohltuend. An der Ostsee.
Unfassbar beruhigend. Die Ostsee im Nordosten.

Die Gegenrichtung der Stimmung: Ich war im Kurzurlaub im Norden unseres Landes. Viel wichtiger jedoch als die Location war die Gesellschaft der besten Freundin samt Familie. Schnattern am Kachelöfchen, bis es anfängt zu dämmern, zu acht lustige Spiele spielen, die vor Lachen Bauchweh machen, einfaches Essen kochen, das wie Haute Cuisine schmeckt, Kinder, die einfach so auf Bäume klettern,  in Schlafsäcke kuscheln, die mehr wohlige Wärme bieten als alle Hotelbetten der Welt zusammen … Das sind die Momente, in denen Alltag keine Rolle mehr spielt, weil er einfach viel zu weit weg ist. Und es sind die Momente, die bei einem bleiben, auch wenn die Leute auf den Autobahnen mich forsche Fahrerin ärgern wollen.

Ich sollte mir das immer mal wieder selbst sagen, wenn  mich genau die gegenteiligen Gefühle anfliegen. Und das passiert in jüngster Zeit auch oft. Zu oft.

Da sind vor allem die ganz normalen Dinge des Alltags: Es ist anstrengend, vom kleinen Kind immer wieder einzufordern, Klamotten aufzuräumen statt gedankenversunken irgendwo fallen zu lassen. Es ist nervig, wenn wöchentlich zwei Wäschekörbe voll mit Bügelzeuch warten. Es ist frustrierend, wenn der Tag nicht ausreicht, um all das zu tun, was ich gerne tun möchte – und da reden wir noch gar nicht über Hobbies oder den gemütlichen Plausch am Telefon mit ’nem Glas Rotwein dazu. Es ist oft schwer, die extremen Stimmungsschwankungen des großen Kindes zu ertragen, auch wenn sie dazu gehören und natürlich niemals böse gemeint sind. Dazu gehören auch die Tage, an denen selbst das Tirilieren der Vögelchen stresst. Und es tut weh, wenn diese genervte Unzufriedenheit öfter direkt in den „Funktionier-Modus“ führt, weil dann alles irgendwie leichter erscheint, es die Emotionalität nimmt.

Als ob das nicht reicht, setzt mir (immer noch) zu, dass es von meinem Herzensverein eigentlich außer dem Nicht-Abstieg nichts Herzerwärmendes zu berichten gibt – ganz im Gegenteil. Je intensiver man sich mit Hintergründen beschäftigt, je genauer man auf Details schaut, desto frustrierender wird das Ganze. Immerhin machen die extrem unterschiedlichen Denkweisen innerhalb der Fans mir kaum noch etwas aus.  Fußball ist überhaupt ein schönes Beispiel für diese „pubertäre“ Phase: Auch wenn der Kopf das alles cool im Griff hat – wenn der HSV spielt, bin ich noch immer aufgeregt und traurig, wenn er verliert, beziehungsweise froh, wenn er gewinnt.

Wahrscheinlich steckt in mir noch ganz viel (pubertäres) Kind. Wenn ich so darüber nachdenke, klingt das für mich nicht unbedingt wie etwas Schlechtes.

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