Der HSV verliert in Köln: Irgendwie alles ein großes Missverständnis

Da kann ich vom Kopf her noch so klar Kritik üben und dem Abstieg ins Auge sehen: Wenn der HSV nach Köln kommt, werde ich zum leidenschaftlichen Fan und gehe selbstverständlich ins Stadion. Dort wurde ich Zeuge eines Spiels, bei dem ich das Gefühl hatte, dass das alles nur ein großes Missverständnis sein kann: Der HSV versteht dieses Spiel extrem eigenwillig, also anders als die meisten Mannschaften in der Bundesliga. Er lässt sich ein ums andere Mal eine Lehrstunde darin erteilen, wie dieses Spiel – man nennt es in der Regel Fußball – funktioniert. Lauter einzelne Personen stehen da auf dem Platz, tragen seltsam pinke Trikots und wissen scheinbar nicht, was sie da auf dem Rasen eigentlich machen sollen. Technisch unzulänglich und gefühlt jedes dritte Anspiel verstolpernd, ideen- und hilflos, wenn der Ball in den eigenen Reihen war – entsprechend schnell war er wieder weg –, uninspirierend und auch noch dumm (rote Karte für Wood) vor dem gegnerischen Tor. In das hätte man in der ersten Halbzeit mindestens zweimal treffen müssen, aber naja, da war das mit dem Missverständnis.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll:

  • Adler kann immer noch nicht gescheit abschlagen, dass man auch werfen kann, sollte ihm mal jemand sagen.
  • Lasogga steht bei der Ballannahme immer mit dem Rücken zum Gegner, um ihn dann wieder zurückzuspielen. Er kann ihn nicht am Gegner vorbeilegen und losrennen. Dafür fehlt es ihm, so scheint es zumindest, ordentlich an Antrittsschnelligkeit.
  • Holtby macht einem Angst bei allem, was er tut. Gestikuliert wie ein Irrer, macht am Ball aber nur simples, unproduktives oder eben auch gefährliches Zeug. Welches Spiel spielt er da?
  • Wood rennt und rennt, kann sich aber in Zweikämpfen nicht durchsetzen. Stattdessen teilt er aus und kassiert völlig zu Recht den Platzverweis. Bei allem Verständnis für die Angespanntheit: Das ist keine Rechtfertigung für so eine dumme Aktion, die dem Gegner komplett in die Hände, besser: in die Füße spielte.

Das ist einfach keine Mannschaft, die dort auf dem Platz agiert. Wie oft habe ich das hier, haben das andere in ihren Blogs und Kolumnen schon geschrieben?! Das insgesamt sehr mittelmäßige Spiel (die zweite Halbzeit war ja dann doch etwas ereignisreicher) war für den Fan im Stadion wirklich schwer zu ertragen. Immer die gleiche Rumstocherei, immer wieder murmelte ich vor mich hin: oh weh, wie peinlich. Ich wurde nur noch bemitleidet von Kölnern um mich herum, und ich fand kein Loch, in das ich mich verkriechen konnte. Jeder fragte mich, warum man denn nun genau Labbadia gefeuert hätte – geändert hätte sich doch nichts. Und ob nicht viel Geld wieder in die Mannschaft gesteckt worden wäre – wie könne es dann sein, dass so was dabei rauskommt? Auf der Südtribüne hing kurz ein Banner mit „Dank Ausgliederung und Kühne HSV bald weg von der Bühne“. Mal abgesehen davon, dass auch der EffZeh seine Profimannschaft ausgegliedert hat und die Häme nun wirklich nicht zieht: Die Gemengelage von Kühne, seinen Beratern Calmund und Struth, sowie den Möchte-gern-Managern Hilke und Beiersdorfer hat den HSV letztlich dorthin geführt, wo er jetzt ist – ans Tabellenende. Mit Abstand! Ich kann nur hoffen, dass da jemand schnellstmöglich die Reißleine zieht, Beiersdorfer und Hilke rausschmeißt und Profis ans Werk lässt. Ohne Stallgeruch, versteht sich, dafür mit Fachwissen und der Macht, wirklich etwas zu bewegen. Klingt naiv, ich weiß, aber aufzugeben kann ja nun auch keine Option sein.

Irritationen neben dem Platz

Kurzfristig „rutsche“ ich von meinem Platz im Gästeblock in die Business-Lounge. Ich fand es ziemlich cool, bei all dem Rot dort im blauen Trikot herumzulaufen, aber ich war ja nicht allein. Erstaunlich viele HSVer fanden sich auch dort. Ich hatte von diesem Platz aus eine sehr gute Sicht auf das Geschehen und den Gästeblock, von wo aus wirklich Alarm rüberkam, zumindest 70 Minuten lang. Es war richtig laut, und das Konfetti zu Beginn (statt Pyro) fand ich wirklich schön. Die große Tochter feuerte dort mit einem Freund der Familie mit an und gab alles. So hörte sie sich jedenfalls hinterher an. Doch was sie auch berichtete: Sie hatten Plätze am Rande des Gästeblocks, also in direkter Gesellschaft der Nordtribüne des EffZeh. Provokationen hier und da, dann flog ein erster voller Becher, danach derer viele … es gibt einfach überall Idioten, und denen ist es ja offenbar dreimal egal, ob da auch Kinder am Start sind. Ich finde auch diese „Scheiß-HSV“-Rufe absolut unterirdisch, was soll das? Dieser HSV macht den Gästeblock in nahezu jedem Bundesligastadion voll und auf den Rängen richtig Rabatz. Das mögen wir doch am Fußball, diese Stimmung, das Singen, die Wechselgesänge. Das sahen auch einige EffZeh-Fans in der Bahn so, die durchaus freundliche Worte in unsere Richtung fanden. Denn eines ist klar: Wenn der HSV in dieser Saison absteigt, dann hat es an vielem gelegen, ganz sicher aber nicht an den Fans.

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Pati1887 sagt:

    Wieder mal ein sehr guter und meiner Meinung auch sehr neutraler Blog. Ließt sich gut. Möchte dir jeder nur in einer Sache wiedersprechen. Die Kölner Häme“ die ich 1. nicht als Häme betrachte ist für mich 1. berechtigt und 2. meiner Meinung nach nur ein Konter. Erinnere mich noch gut an das Gastspiel von Köln im Pokal als sie noch 2.Ligist waren… Damals zeigten Sie 2 Spruchbänder: 1. HSV bleibt e.V und 2. HSV not for Sal€. Was haben sich die Leute dannach auf die Kölner teilweise in diversen Foren und co auf die Kölner eingeschossen; von wegen scheiß 2.Ligist sollen sich um sich selber kümmern und kucken dass sie erst mal 1.Liga spielen! Auch das mit der Ausgliederung der Kölner ist zwar richtig, aber welcher Club steht den jetzt ohne das Investorengeld besser da? Insofern finde ich 1. die Kritik berechtigt und 2. Als Retourkutsche auf oben genannte Kritik an den damals 2 gezeigten Spruchbändern der Kölner. Becherwürfe bleiben natürlich scheiße und auch die Sache mit dem Gästeblock und der Stimmung wird auffallen falls wir absteigen. Aber vll leider nicht so zum tragen kommen falls dafür Hannover/Stuttgart/Braunschweig aufsteigen sollte. Ansonsten zeigt uns Köln wieder einmal es liegt nicht am Geld, es liegt an den handelnden Personen und der Struktur beim HSV und die wird sich wohl nicht so schnell ändern… P.S. Herr Gisdol bitte nicht mehr Holtby von Beginn an aufstellen in den nächsten 3 Spielen…

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    1. mrscgn sagt:

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich sehe das mit dem Spruchband nach wie vor anders. Aber letztlich ist es eine Meinung der Kölner, die sie nun mal haben. Und ja: Es liegt immer an den handelnden Personen, nicht an dem System dahinter, ganz genau! Das macht es ja so bitter.

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