Diese Nachbarn …

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Schon öfter erwähnte ich Freunden gegenüber, dass ich mit zunehmendem Alter immer unsozialer werde. Damit meine ich, bewusst die Gesellschaft von Menschen zu meiden, die mir mit ihrer Haltung schlechte Laune machen, die mich mit ewigen und immer gleichen Labereien langweilen, die mir ständig das Gefühl geben, die ganze Welt drehe sich nur um sie  … und so weiter. Ich bin da recht konsequent, quasi unerbrittlich.  Doch manchmal, und wer kennte das nicht, ist das nicht so einfach umsetzbar. Ein schönes Beispiel dafür sind Nachbarn, wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt, spontan fällt mir dazu das „ehrenwerte Haus“ ein:

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Nachbars Zettel

In diesem Mietshaus wohnen wir seit ein paar Jahren und sind hier wohlbekannt.
Doch stell dir vor, was ich soeben in der Waschküche  fand:
Es ist ein Brief von unsern Nachbarn, darin steht: Finger weg.*

Worum geht es? Wir haben hier eine Waschküche, in der alle Mieter ihre Waschmaschinen und Trockner aufstellen und anschließen können. Sie stehen recht eng beieinander, auch der Gang zwischen den Maschinen rechts und links ist mit üppig falsch beschrieben. Nun ist es so, dass die meisten Familien  nach Gebrauch der Waschmaschine deren Tür sowie die Schublade für das Waschmittel zum Trocknen offen lassen. Seit neustem jedoch sind da Heinzelmännchen zu Gast, die seltsame Dinge tun. Die Waschmaschinentüren sind geschlossen, die Laden dicht, der Wäschekorb steht davor statt daneben … Ich habe ein wenig verdutzt geschaut, aber ansonsten nicht weiter Notiz davon genommen. Bis ich eben diesen Zettel las. „Finger weg.“ Holla. Dieser Zettel hing, war er wieder weg, dann wurde er, während ich an unserer Waschmaschine zugange war, wieder platziert. Ich grinste breit und holte mein Handy zwecks Dokumentation. Die Verfasser sind übrigens jene Nachbarn (ein Ehepaar, von denen die Frau so alt ist wie ich), die meine Kinder schon mehrfach verbal attackierten und ihnen drohten.  Ihre Mutter war es auch, die meinen Kindern schon Schläge androhte. Denn natürlich wurden meine Kinder, die praktisch nie den Weg in die Waschküche finden, verdächtigt, sich als Heinzelmännchen betätigt zu haben. Ich habe ja eher kleinere Kinder im Verdacht, die sich einen kleinen Spaß erlaubten. Aus meiner Sicht kein Drama und eines Theaters dieser Art niemals würdig.

Ach Gott, was Menschen alles tun …

Ich gestehe, dass mir das Verständnis für Menschen, die so ticken, komplett abgeht.  Meine erste spontane Reaktion war: Verdammt, warum war mir das nicht schon eingefallen, deren Waschmaschinentür immer sorgfältig zu schließen? Es sind sehr unfreundliche Leute, die sich regelmäßig über andere Menschen echauffieren. Die schreiben Briefe, wenn ein Fenster nicht regelmäßig geschlossen wird; die brüllen Ball spielende Kinder in der Wohnanlage zusammen; die petzen beim Vermieter, wenn ein Kinderwagen zu lange im Hausflur steht – das Grüßen finden sie offenbar total überbewertet.

Warum machen Leute das? Warum sind manche Menschen so? Was treibt sie an, sich selbst und anderen das Leben so schwer zu machen? Wo bleibt die Gelassenheit, wenn Dinge passieren, die vielleicht ein bisschen komisch, aber eben doch nicht der Rede wert sind? Wieso kapieren solche Leute nicht, dass sie durch ihre schlechte Laune, die sie verbreiten, geradezu irgendwelche kleinen, vielleicht auch großen, Gemeinheiten herausfordern? Was haben wir uns da nicht schon alles überlegt, dann aber doch entschieden, diese armseligen Geister nicht mit Aufmerksamkeit zu belohnen. Ob es ihnen am Ende nur darum geht? Ein schriftlich formulierter Schrei nach Aufmerksamkeit? Nehmt endlich wahr, dass ich hier die geilste Waschmaschine habe, von denen ihr gefälligt die Finger zu lassen habt?

Finger weg – ein Spruch, der auf derem Klingelschild  irgendwie passender wäre.

*Etwas veränderter Text aus „Ein ehrenwertes Haus“, Udo Jürgens

 

 

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. elbblick sagt:

    Vielleicht – nur ganz vielleicht – könnte es den Nachbarn darauf ankommen, dass ihre Maschine nicht verschimmelt ob des Wassers und der Rückstände, die in Fach und Trommel zurückbleiben. Soll passieren. Und auch, wenn sie vielleicht den Ton nicht getroffen haben – was wäre daran so schwierig, dieser Bitte einfach nachzukommen, statt sich selbst den Kopp zu zerbrechen? Oder die Nachbarn einfach mal zu fragen? Denn dann erklären sie vermutlich genau das.

    Oder übersehe ich hier irgendetwas?

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    1. mrscgn sagt:

      Zum einen geht es, wenn man regelmäßig die Maschine benutzt, nicht so schnell mit dem Schimmeln. Zum anderen wäre es genau an den Nachbarn, freundlich nachzufragen oder eben freundlich (!) auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Glaubst Du ernsthaft, dass jemand solche Zeilen ernst nimmt? Meine Kinder waren es nicht, die würden, wenn schon, andere Dinge tun. Aber ist auch nebensächlich. Entscheidend ist: Ziel nicht erreicht, weil völlig daneben kommuniziert.

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      1. elbblick sagt:

        Wer weiß – vielleicht haben sie es bereits freundlich getan, und es wurde ignoriert? Vielleicht gab es da auch schon vorher Zettel? Sprich sie doch einfach mal an. Vielleicht gibt es eine Überraschung. Mit- statt übereinander reden.

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      2. mrscgn sagt:

        Du glaubst, ich spreche Leute an, die meinen Kindern drohen? Sogar Schläge androhen?

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      3. elbblick sagt:

        Du sprichst nicht mit Fremden, die deinen Kindern Schläge androhen? Das sind Leute, mit denen ich erst recht sprechen würde, alleine schon um klar zu machen, dass die eine Linie überschritten haben. Da ist die Maschine ja noch das kleinere Übel … o_O

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